Das freie Wort

Der lange (Leidens-)Weg unserer Kälber

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger behauptete im großen tierschutzpolitischen Interview mit der „Kronen Zeitung“ am Sonntag hinsichtlich der Tiertransport-Problematik, dass es von Österreich aus seit Jahren keinen Schlachtvieh-Export mehr in Drittstaaten (also außerhalb der EU) gebe. Damit hat die Ministerin zwar formal recht, die faktische Situation sieht jedoch leider anders aus: Tatsache ist, dass jährlich rund 45.000 männliche Kälber aus unserem Land im Rahmen von Lebendtier-Transporten aus Kostengründen ins EU-Ausland (in erster Linie nach Spanien und Italien) verbracht werden. Aus finanzieller Sicht sind männliche Kälber nämlich ein Nebenprodukt unserer Milchindustrie, und eine wirtschaftlich rentable Mast ist in Österreich schlichtweg nicht durchführbar. Im Rahmen dieser Langstreckentransporte ins EU-Ausland dürfen die österreichischen Kälber aufgrund der bestehenden rechtlichen Vorgaben 19 Stunden am Stück in den Lkw zusammengepfercht transportiert werden, ehe eine Pause von 24 Stunden einzulegen ist. Durch diese extrem langen Transportzeiten und schlechten Transportbedingungen sind die Tiere massivem Stress in Form von Hitze/Kälte, Hunger, Durst, Angst etc. ausgesetzt. Doch gerade Spanien stellt für viele der österreichischen Kälber oftmals nicht das Ende ihrer langen Reise dar. Denn von Spanien aus wird ein guter Teil der Kälber nach der Mast weiter nach Libyen, in den Libanon, nach Algerien, Ägypten oder in einen anderen Staat des Nahen Ostens verschifft, um erst dort auf abscheuliche Art und Weise nach den ortsüblichen Vorschriften geschlachtet zu werden, womit bedauerlicherweise sehr wohl ein indirekter Schlachtvieh-Export aus Österreich in Drittstaaten besteht. Auf barbarische und qualvolle Weise finden so auch Kälber aus unserem Land erst Tausende Kilometer von ihrem Geburtsland entfernt ein bedauernswertes Ende.

Mag.iur. Michael Winter, Graz

Erschienen am Mi, 17.3.2021

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