Die Innenstadt von Klagenfurt ist am Abend (fast) menschenleer, unterdessen strotzt die üppige Weihnachtsbeleuchtung vor lauter funkelnden Kugeln und Ketten. Für wen leuchten diese vielen elektrischen Sterne? Wie viel Strom wird hier verbraucht? Wie viel kostet das alles – das Material, die Anbringung und Entfernung, die Energiekosten für das nächtliche Leuchten den ganzen Winter hindurch? Selbst wenn es Menschen gäbe, die sich daran erfreuen würden, bliebe immer noch zu hinterfragen, ob das nicht ein zu teurer Spaß ist, gerade angesichts der Notwendigkeit, mit Strom sparsam umzugehen. Also für wen oder besser gefragt: warum werden hier Steuergelder (wie viel?) verbrannt und außerdem auch noch der Himmel beleuchtet, was vollkommen sinnlos ist? Aus religiösen Gründen? Wohl eher nicht. Aus infantilen Gründen? Um das Christkind bei seinem nächtlichen Ritt zu erspähen? Zu Weihnachten wollen wir wie kleine Kinder sein, wir wollen bedingungslos geliebt und beschenkt werden inmitten von Bäumen, die funkeln, glitzern und leuchten, damit unsere romantischen Gefühle einen entsprechenden Rahmen bekommen. Und das wollen wir uns keinesfalls nehmen lassen! Während uns die nächste Generation (die echten Kinder und Jugendlichen) zornig anbrüllt, weil wir das Klima schädigen, erstrahlen trotzig – unserem kindlichen Wunsch nach totaler Wunscherfüllung entsprechend – die elektrischen Sterne. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann hat darauf hingewiesen, dass die Gesellschaft auf diesem Weg der Infantilisierung auch in die Hölle kommen kann. Da sind wir schon. Wir wollen es nur nicht wahrhaben, dass wir erwachsen werden sollten, denn das bedeutet die Vertreibung aus dem Paradies (= Erkenntnis, Bewusstsein, Aufklärung), und das tut weh. Lieber verfallen wir in eine regressive Trance, lassen es richtig dekadent krachen, koste es, was es wolle! Aber wer wird das Klima schützen? Das Christkind?
Dr. Barbara Lesjak, Klagenfurt
Erschienen am Di, 15.12.2020
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