Das freie Wort

Das Ende der Diskriminierung

Endlich hat unsere rechtschaffene Gesellschaft erkannt, dass wir jeglichen Ansatz von Diskriminierung umgehend abstellen müssen. Wir haben zwar fast siebenhundert Jahre gebraucht, um festzustellen, dass eine der ältesten Apotheken Wiens einen diskriminierenden Namen trägt, und auch eine allseits bekannte Eismarke wird endlich zu Grabe getragen, da sich möglicherweise Bewohner des Nordens diskriminiert fühlen könnten. Die „Zigeunerräder“ sind ohnedies den meisten Knabberfans schon lange ein Dorn im Auge, und mit der Abschaffung dieses Namens sind die meisten Probleme der angesprochenen Volksgruppe mit Sicherheit gelöst. Der nächste Schritt müsste jetzt natürlich sein, dass man auch über österreichische Kunstschaffende einmal nachdenkt. Was haben sich wohl EAV und beispielsweise Udo Jürgens gedacht, als sie ihre Lieder geschrieben haben, in denen über „Negerschauen“ rezitiert wird, oder unser Song-Contest-Sieger aus dem Jahr 1966 in „aber bitte mit Sahne“ sogar zum Verzehr eines „Mohrenkopfes“ auffordert. Freuen könnte dieser um sich greifende Wahnsinn an angeblicher Diskriminierung allerdings Menschen, die an chronischem Geldmangel leiden, denn jetzt werden Gott sei Dank auch bald die „Negeranten“ abgeschafft werden.

Alexander Neumann, Grünbach am Schneeberg

Erschienen am Fr, 2.10.2020

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