Das freie Wort

Wehleidigkeit, dein Name ist Strache

In der sonntäglichen Pressestunde hat er wieder gezeigt, wie er tickt, was seine Wahrheit ist und dass viele gegen ihn opponieren. „Seine Kosten“ waren ja immer korrekt abgerechnete Kosten. Was war mit den 580.000 ¤? Dafür interessiert sich die Staatsanwaltschaft, die jetzt die Konten zu öffnen erlaubt hat. Alles Intrige, er wiegelt ab, in den USA ein Mantelkauf für seine Frau, der war gar nicht für sie! Sein Redeschwall lässt die Fragenden fast nicht zu Wort kommen. Da haben Mitarbeiter Rechnungen eingereicht, die er nie gesehen hat. Das Budget hat er nicht verwaltet, das hat eine „Bürokraft gemacht“. Die beiden Interviewer bleiben dennoch am Ball. Wie war das mit dem Tipp von Parteispenden, vorbei am Rechnungshof? Das ist rechtskonform, meint er. Da gibt es viele anonyme Anzeigen, das sind kriminelle Methoden. Und was war mit den privaten Spesen? Keine Antwort. „Ich habe immerhin 14 Jahre politisch in wichtigen Funktionen für Österreich gearbeitet!“ Das Stichwort Corona hilft ihm, endlich von seinen persönlichen Themen wegzukommen. Der Wortschwall geht belehrend weiter. Ich frage mich immer wieder, wie kann dieser Mensch zwischendurch atmen? Reden, reden, reden, das können alle FPÖler, das ist ihre rhetorische Stärke. Zurück zu ihm, was ist mit ihren Verschwörungstheorien? Das will man ihm in die Schuhe schieben. Man ahnt es, wie immer, alle anderen sind schuld! Wien ist auf der roten Liste, alles bricht ein, von der Wirtschaft bis zur Hotellerie. „In einem Wahlvideo von Ihnen hört man einen Muezzin, in Wien ruft kein Muezzin!“ Er meint, das sei „vorbeugend“ gedacht. Der „Unschuldige“ geht als unschuldig aus dem Studio, hinaus in den Wiener Wahlkampf! Gratulation den beiden Interviewern, sie hatten es nicht leicht mit ihm, aber sie haben nicht lockergelassen!

Franz Schramböck, Linz

Erschienen am Di, 22.9.2020

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