Das freie Wort

Ins Stammbuch geschrieben

Wie der Schnupfen in der kühlen Jahreszeit tauchen in schöner Regelmäßigkeit Zweifel an der Fahrtüchtigkeit der „Alten“ auf. Folgendes all jenen ins Stammbuch geschrieben, die Menschen ab 70 am liebsten generell den Führerschein abnehmen möchten: Da gehört erst einmal erhoben, wie hoch der Prozentanteil schwerer bis tödlicher Unfälle tatsächlich ist, der von über 70-Jährigen verursacht wird, und dann stelle man diesen dem Rest der Unfallverursacher gegenüber. Und, liebe Mitbürger im Jugendwahn, Sie alle sind schneller alt, als Sie es sich jetzt vielleicht vorstellen können, und werden Ihre Mobilität zur Alltagsbewältigung bitter nötig haben, denn Sie werden dann möglicherweise nicht so gut zu Fuß sein wie jetzt, jedoch sind viele von den Alten durchaus geistig noch topfit und auch ihre Reaktionsfähigkeit ist in Ordnung. Vor allem haben sie das, woran es den ganz Jungen bitter mangelt, nämlich jahrzehntelange Fahrpraxis und eine realistische Selbsteinschätzung. Die Oldies sehen vielleicht nicht mehr ganz so gut wie mit zwanzig, aber mit Brille durchaus noch scharf. Die Alten hören naturgemäß etwas schlechter als die Jungen, dafür fahren sie aber auch nicht mit zugestöpselten Ohren und dröhnen sich dabei das Hirn mit Heavy Metal zu, wobei es wohl kaum möglich ist mitzukriegen, was rund um einen sonst noch vorgeht. Eines wäre auch noch zu bedenken, wenn man betrachtet, wie viele junge Männer bedauerlicherweise heute bereits mit 18 Jahren nicht zuletzt wegen Sehfehlern, Hörproblemen, psychischen und auch physischen Mängeln für unser Heer laut offizieller Stellungnahme ungeeignet beziehungsweise untauglich sind, da könnte man vielleicht auf die Idee kommen, auch die Überprüfung der Fahrtauglichkeit zu verlangen.

Eva Schreiber, Traiskirchen

Erschienen am Sa, 12.9.2020

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