Das freie Wort

Oase bitte erhalten

Mit Unverständnis und gehörigem Unmut musste ich feststellen, dass in der Anton-Schall-Gasse in Wien 21 ein schöner Wiesengürtel abgesperrt wurde. Es soll dort gebaut werden. In den Zeitungen ist zu lesen, dass viele Häuser und Wohnungen vorhanden sind, die leer stehen, diese aber aus unterschiedlichen Gründen nicht für neue Mieter herangezogen werden (dürfen). Die Vergabe und die Verbauung der Objekte geschehen in einem rasanten Tempo, und die Bürger werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich erinnere mich da an die Bauvorhaben bei den Ziesel-Gründen. Warum ist es nicht möglich, kleine Grünflächen als solche auch zu erhalten, wo doch immer geschrieben wird, dass alles zubetoniert wird? Hinter diesem Wiesengürtel befindet sich eine Baumreihe, und dahinter fließt noch ruhig der Marchfeldkanal. Kann und will man diese Oase nicht erhalten? Mein stark zunehmender Unmut mit dieser Grünpolitik und mit dem „Es passiert nichts“ (es haben schon viele Personen ihren Kommentar dazu abgegeben) steigert sich in eine Politikverdrossenheit, die sich bei der kommenden Wien-Wahl hoffentlich zu Buche schlagen wird. Es gibt sehr viele Familien mit Kindern, denen es nicht möglich ist (da sie kein Auto haben), irgendwohin ins Grüne zu fahren. Denen bleibt nichts anderes übrig, als in der heißen Betonsiedlung zu bleiben, aber dafür kann man ja dann um viel Geld wieder Nebelduschen usw. machen. Wo ist da die Logik? Ich will ein grünes Wien, und was ist mit der Grünpartei los? Passiert ist so gut wie nichts. Außer ein teurer Pool am Gürtel – na super. Es wird absolut nicht auf die Bürger eingegangen – und dann soll man als Bürger seine Wünsche bekanntgeben!

Ottokar Holubarz, Wien

Erschienen am Mi, 26.8.2020

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