Das freie Wort

Frühlingserwachen

Bald ist es wieder so weit – Kröten, Frösche und andere Amphibien fangen wieder an zu wandern. Regelmäßig, und bisher noch jedes Jahr, bringen mir diese faszinierenden Tiere den Frühling. Schon Millionen Jahre vor unserer Zeit lebten sie, und wir sind drauf und dran, sie auszurotten. Auch von der Politik her werden viel zu lockere und dehnbare Maßnahmen getroffen. Obwohl viele dieser Arten auf der roten Liste (z. B. Wechselkröten) stehen, wird ihr Lebensraum weiter zerstört. Die letzten Äcker und Grünflächen werden in Innsbruck und Umgebung zubetoniert, um unter anderem Lebensraum für den Menschen zu schaffen. Welcher Lebensraum und welche Lebensqualität bitte? Es können nicht unendlich Wohnungen gebaut werden. Die auch die Mietpreise kontinuierlich steigen lassen – „Thema Finanzinvestoren“. Zählen allein der Mensch und seine Bedürfnisse? Die Natur kann ohne uns existieren, wir aber nicht ohne sie. Doch trotz alledem freue ich mich weiterhin jedes Jahr auf meine Lieblinge. Frühmorgens, wenn der erste Lichtstrahl den Himmel erhellt, gehe ich auf die Suche nach ihnen, um sie in die Hände zu nehmen und mich an ihnen zu freuen. Besonders ihre schönen goldenen Augen haben es mir angetan. Die allererste Kröte, die ich in meiner Hand halte ist, „mein Frühlingserwachen“.

Elisabeth Geiger, Innsbruck

Erschienen am Do, 12.3.2020

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