Nach gefühlten etwa 100 TV-Wahl-Konfrontationen erkennt man, warum sich die Umfrageergebnisse praktisch nicht verändern. Während die männlichen Diskutanten ihre längst bekannten Berufspolitiker-Stereotypen trommeln, wirken die beiden weiblichen authentischer, da sie ein höheres Berufsethos aufweisen: Pamela Rendi-Wagner (als Ärztin) und Beate Meinl-Reisinger (als Mutter von drei Kindern) stehen mehr im Leben als ihre männlichen Pendants: Studienabbrecher, partnerlose Berufsdiskutanten bzw. -funktionäre, die täglich ihre Meinung ändern (z. B. Kickl Minister ja oder nein?), Fake News (vulgo Lügen) kommunizieren und auch nach der Wahl ihre Versprechungen nicht halten werden (können). Umso mehr ist es strategisch falsch, dass die SPÖ blauäugig und treuherzig mit dem Schlagwort „Menschlichkeit“ wirbt. Das ist lieb, gut gemeint, werbetechnisch aber schwach: Das Logo erinnert an McDonald’s oder Eskimo. Und die „Message“ ist völlig unrealistisch: Menschlichkeit hat in unserer heutigen profitgierigen Welt der Großkonzerne und Internetgiganten, die Losertypen, Outsidern und Freaks im Schutze der Anonymität eine Plattform bieten, leider keinen Platz. Frei nach Kreisky: Menschlichkeit ist keine „politische Kategorie“ – sondern wird eher als Schwäche interpretiert – und ausgenützt. Frag nach bei Bolsonaro, Trump. Putin, Erdoĝan.
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