Wer kennt nicht das Märchen von den sieben Schwaben? Da heißt es doch: „Jokele, geh du voran! Du hast die größten Stiefel an, dass dich das Tier nicht beißen kann.“ Wenn man sich zu Gemüte führt, was aktuell in der SPÖ-Führung abläuft, wird man unwillkürlich an diesen Spruch erinnert. Niemand in der Partei traute sich, dem Parteichef und Vizekanzler Babler zu erklären, dass er genug Schaden angerichtet habe und Platz machen solle für einen Nachfolger (aber fast alle hofften es). Dann kam Zeiler und bot sich an, an die Stelle von Babler zu treten und die Partei wieder auf Erfolgskurs zu steuern. Nun, Zeiler war dann auch nicht willkommen, aber in der SPÖ begann die Suche nach einem Kandidaten (m/w/d), aber es gab nur Absagen. Niemand traute sich zu sagen: „Ja, ich mache das.“ Es kam zu einem peinlichen Kompromiss. Babler tritt irgendwann zurück, aber als Trostpflaster wird er wohl Minister bleiben dürfen. Und irgendwann, vielleicht im Frühjahr, wird der jetzige Finanzminister Markus Marterbauer sein Nachfolger – obwohl auch er vorher Nein sagte. Aber er wurde von Babler in die Regierung geholt, er ist loyal – und er ist laut Umfragen das beliebteste Regierungsmitglied (warum eigentlich?). Das dürfte der Grund sein, warum er nach vorne gedrängt wurde, um die Babler-Nachfolge anzutreten, so nach dem Spruch: „Jokele (Markus), geh du voran.“ Weil er anscheinend mehr Mut hat als die anderen Parteigrößen. Und wer oder was das laut Spruch beißende Tier sein könnte, darüber kann man rätseln. Könnte es vielleicht der beleidigte und auf Rache sinnende Babler sein? Oder könnte es vielleicht der Wähler sein, von dem man noch nicht sagen kann, wie er bei der nächsten Wahl auf diesen (notwendig gewordenen), aber schlecht gemachten Parteiputsch reagiert?
Josef Höller, per E-Mail
Erschienen am Mi, 7.10.2026
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