Einweisung droht

Sex-Casting statt Nachhilfe – Kärntner vor Gericht

Österreich
27.02.2008 10:14
Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und pornografischer Darstellung von Minderjährigen ist am Dienstag ein 50-jähriger Nachhilfelehrer am Landesgericht Klagenfurt vor einem Schöffensenat gestanden. Staatsanwalt Helmut Jamnig warf dem Kärntner vor, mehrere Mädchen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren missbraucht sowie in eindeutigen Posen fotografiert und gefilmt zu haben. Der Prozess wurde vertagt. Dem Angeklagten droht die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Zu Beginn der Verhandlung listete Ankläger Jamnig in einem 20-minütigen Eröffnungsplädoyer die "perversen Neigungen" des Kärntners auf. Zwischen 2002 und 2007 sollen fünf Mädchen Opfer des Mannes geworden sein. Neben seiner Tätigkeit als Nachhilfelehrer habe er sich als Betreuer bei Sportvereinen um Kinder bemüht. "Beim Tennisunterricht hatte er nicht nur den Tennisschläger, sondern auch immer die Fotokamera mit dabei", erläuterte Jamnig.

Mit Fotomontagen Mädchen unter Druck gesetzt
Das Bild eines Opfers habe der Angeklagte dann mit Hilfe eines Computers auf die Darstellung eines nackten Körper montiert und mit dieser Fotomontage "Druck auf das Mädchen ausgeübt". Der Mann drohte der Minderjährigen mit der Veröffentlichung des Fotos, sollte sie ihm nicht zu Willen sein. Ausführlich berichtet der Staatsanwalt von einem Koffer mit "Dessous und Sexartikeln", den der Angeklagte immer parat gehabt habe.

"Protokoll einer Verführung"
Spätestens als Jamnig Details berichtete, machten sich deutliche Unruhe und Unbehagen unter den zahlreichen Zusehern im viel zu kleinen Saal des Landesgerichtes breit. Die detaillierte Anklage in der Causa ist auf das umfangreiche von der Polizei beschlagnahmte Foto- und Filmmaterial zurückzuführen. Außerdem hatte der Mann penible Tagebücher mit Titeln wie "Protokoll einer Verführung" geführt.

Es gebe zwar nichts zu beschönigen, das Bild des Angeklagten werde jedoch "verzerrt" dargestellt, meinte Verteidiger Michael Pontasch. Der Angeklagte gab zu, die ihm vorgeworfenen Dinge gemacht zu haben. Allerdings, so schränkte er ein, hätten die Mädchen doch "freiwillig" mitgemacht. "Ich wollte dem Mädchen zu einer Gesangskarriere verhelfen", begründete der Nachhilfelehrer seine Foto- und Filmaufnahmen. Wegen des Umfangs der Anklage wurde der Prozess vertagt.

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