Islam-Entgleisung

"Wollte religiöse Gefühle nicht verletzen"

Österreich
21.01.2008 07:09
Susanne Winter, FPÖ-Spitzenkandidatin bei der am Sonntag in Graz stattfindenden Kommunalwahl, hat öffentlich so etwas wie Bedauern nach ihren islamfeindlichen Aussagen gezeigt. In am Samstag in Grazer Tageszeitungen geschalteten Inseraten räumte sie ein, dass ihre Formulierungen "überspitzt" gewesen seien und sie "auf keinen Fall die religiösen Gefühle von Menschen verletzen" wollte. Einigermaßen turbulent, mit großem Polizeiaufgebot und mit kleineren Zwischenfällen ist Samstagnachmittag am Tag vor der Gemeinderatswahl auf dem Grazer Hauptplatz die Schlusskundgebung der Freiheitlichen verlaufen.

Gegendemonstranten versuchten, die Reden von Winter und Parteichef Heinz Christian Strache zu stören. Diese wiederum wollten die islamfeindlichen Aussagen vom vergangenen Sonntag herunterspielen und erregten sich über politische Verantwortungsträger, die "wie Hyänen" über die FPÖ-Politikerin hergefallen seien, zu Morddrohungen aber geschwiegen hätten.

Winter erklärte, es sei ihr darum gegangen, Missstände aufzuzeigen. Ihre Kritik habe sich auf Fälle von Kindesmissbrauch, Zwangsehen, Gewalt gegen Frauen und Unterdrückung von Freiheitsrechten, "wie sie leider auch hierzulande traurige Realität sind", bezogen. In den Augen Winters, die sich heute als Zielscheibe von Hass und Morddrohungen sieht, sei es beschämend, "dass viele sogenannte Verantwortungsträger diese Drohungen nicht schärfstens zurückweisen".

Winter: "Unendlich viel Zustimmung" von Grazern
Laut Polizei waren rund 600 Personen gekommen, gut die Hälfte davon Gegendemonstranten, die mit Transparenten wie "20. Jänner - Winter-Ende", Pfiffen und Sirenen die FPÖ-Spitze begrüßten. Seitens der Polizei waren 140 Leute im Einsatz, die erstmals einen Sicherheitskordon bilden mussten, als Winter das Wort ergriff. Die Spitzenkandidatin meinte, in den vergangenen Tagen sei "viel Böses" auf sie eingestürzt, was ihr auch wehgetan und sie verletzt habe. Gleichzeitig habe sie auch "unendlich viel Zustimmung und Anerkennung" von Grazern und aus der ganzen Welt bekommen.

Strache kritisiert Kirchenvertreter
FPÖ-Chef Strache begrüßte die Demonstranten mit "sparts Euch die Luft zum Arbeiten, ihr werdet sie noch brauchen", worauf die Bodyguards die Schirme zum Schutz vor Wurfgeschoßen aufspannen mussten. Es flogen Tomaten, Eier und Knallkörper. Strache kritisierte jüngste Aussagen von Kirchenvertretern, die Österreich als Zuwanderungsland deklariert hätten. Es werde immer noch von den Österreicherinnen und Österreichern in Wahlentscheidungen bestimmt, ob man ein Zuwanderungsland sein wolle oder nicht.

Laut Polizei habe es einen Verletzten gegeben: Ein FPÖ-Anhänger habe einen Faustschlag ins Gesicht abbekommen.

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