16.01.2008 13:17 |

Ungleiches Paar

Kane & Lynch: Dead Men

Der eine hat als Söldner 25 Menschenleben auf dem Gewissen, der andere das seiner Frau. Beide sitzen sie deshalb im Todestrakt. Doch Marcus Adam und James Seth Lynch, auch bekannt als "Kane & Lynch", dürfen nicht sterben. Erst müssen sie ein paar alten Freunden noch einen letzten Gefallen erweisen...

Für Kane und Lynch scheint es ein Glückstag zu sein: Bei der Verlegung in ein anderes Gefängnis, wo sie hingerichtet werden sollen, werden die beiden von Kanes ehemaligen Söldner-Kollegen befreit. Allzu wohlgesonnen sind diese Kane allerdings nicht, soll er doch irgendwo eine nicht unbedeutende Summe Geld versteckt haben - ohne zuvor brüderlich zu teilen, versteht sich.

Die "The7"-Mitglieder stellen Kane daher eine Frist: Taucht er nicht vor Ablauf des Ultimatums mit dem Geld auf, muss seine Tochter sterben. Psychopath Lynch wird Kane zur Seite gestellt, um ihn fortan sowohl zu überwachen als auch zu unterstützen. Ob diese Entscheidung richtig war, darf bezweifelt werden - kann Lynch ohne seine Medikamente doch ganz schön unberechenbar werden. Zumal sich die "Schatzsuche" als nicht ganz unkompliziert erweist und das ungleiche Paar kurzerhand seinen Plan ändert...

"Kane & Lynch: Dead Men" ist ein klassischer 3rd-Person-Shooter, bei dem der Spieler in die Rolle des Söldners Kane schlüpft. Zu ihm gesellen sich neben Lynch im Laufe des Spiels immer wieder andere Kompagnons, die mit einfachen Kommandos befehligt werden können. Auf Tastendruck gruppieren sich die Jungs, um Deckung zu geben, halten die Stellung oder preschen vor, um den Feind unter Beschuss zu nehmen.

Der Vorteil: Man selbst gerät weniger oft in die Schusslinie. Allerdings sind die Gefährten wie Kane auch nur bedingt leidensfähig und gehen im Kugelhagel bald zu Boden. Das bedeutet jedoch nicht gleich das virtuelle Aus, können die Charaktere doch mit Hilfe einer Dosis Adrenalin zurück ins Diesseits befördert werden. Nach drei Wiederbelebungen ist aber auch der stärkste Held einmal hinüber - in diesem Fall muss von einem zuvor automatisch gesetzten Speicherpunkt neu angefangen werden.

Damit das nicht zu oft passiert, ist Kane neben den üblichen Schießprügeln und Granaten auch mit einem umfangreichen Bewegungsrepertoire ausgestattet worden. Dieses erlaubt es ihm, hinter Wänden, Säulen oder anderen Hindernissen Deckung zu suchen. Leider ist die Steuerung jedoch in der Praxis nicht immer ganz so exakt, wie man es sich wünschen würde. Auch die Grafik-Engine schlägt dem Spieler von Zeit zu Zeit ein Schnippchen: Obwohl beim Schießen aus der Deckung heraus kein Hindernis auszumachen ist, verfehlen die Kugeln gelegentlich ihr Ziel.

Während "Kane & Lynch: Dead Men" in spielerischer Hinsicht kaum bis gar keine Innovationen zu bieten hat, so überrascht der Titel mit einer intelligent erzählten und dramaturgisch sehr gut inszenierten Geschichte. So findet sich der Spieler nach einem Banküberfall etwa im Heck eines Vans wieder, von wo aus das Feuer auf die Verfolger eröffnet werden muss. Sehr atmosphärisch ist auch der Level in einer japanischen Disco: Unter dröhnendem Bass-Sound, hektischen Stroboskop-Blitzen und panisch flüchtenden Gästen gilt es einen Fluchtweg zu finden.

Rein optisch macht das Spiel in all den unterschiedlichen Umgebungen eine sehr gute Figur, wenngleich das Potential der Xbox 360 nicht vollständig ausgereizt wird und es ruhig ein paar Details hätten mehr sein können. Vermisst wird auch die Musik, die nahezu nicht vorhanden ist. Im Gegenzug trumpft der Titel aber mit knackigen Soundeffekten und den sehr gut synchronisierten Dialogen auf. Achtung: Hier wird zum Teil heftig geflucht!

Zu guter Letzt hat "Kane & Lynch: Dead Men" noch einen Multiplayer-Part zu bieten. Über Xbox Live bzw. System Link kann der "A Fragile Alliance"-Modus erprobt werden, bei dem es als Gruppe mit möglichst viel Geld einer Bank zu entfliehen gilt. Das besondere daran: Jeder Spieler kann sich gegen das eigene Team wenden und versuchen, die ganze Beute alleine in Anspruch zu nehmen. Das Ganze will jedoch gut überlegt sein, kehren erschossene Ganoven doch als Wachleute ins Spiel zurück. Per Splitscreen können Freunde vor einer Konsole zudem den Koop-Modus bestreiten und zu zweit die Kampagne spielen. Einziges Manko hierbei: Der Einstieg in ein bereits bestehendes Spiel ist nicht möglich, das Spiel muss neu gestartet werden.

Fazit: Die ganz große Begeisterung will sich beim Spielen von "Kane & Lynch: Dead Men" nicht einstellen, was vor allem daran liegt, das man zu oft über den Haufen geschossen wird, während man mit der ungenauen Steuerung kämpft. Die Geschichte der beiden Todeszellen-Kandidaten, die den Spieler an die unterschiedlichsten und ansehnlich gestalteten Orte führt, gehört aber zweifelsohne zu den besseren im Videospielbereich und weiß in Kombination mit den interessanten Charakteren und deren Sprüchen durchaus zu gefallen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Eidos
Krone.at-Wertung: 77%


von Sebastian Räuchle

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