Nach Bhutto-Mord

Musharraf gibt Bhutto-Ermittlern freie Hand

Ausland
08.01.2008 18:58
Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat den britischen Ermittlern im Mordfall Benazir Bhutto zugesichert, völlig frei agieren zu können. Die Experten von Scotland Yard seien keinerlei Einschränkungen unterworfen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Dienstag in Islamabad. Musharraf versprach ihnen seine volle Unterstützung und garantierte zudem, die Öffentlichkeit über alle Ergebnisse der Ermittlungen zu informieren, erklärte Javed Iqbal Cheema.

In der vergangenen Woche hatte Musharraf noch erklärt, das Team aus London werde keine ohnehin fruchtlosen Bemühungen bei der Untersuchung des Mordes an der Oppositionsführerin Ende Dezember verfolgen dürfen. Mit der Einladung der sechs britischen Ermittler wollte der Staatschef Forderungen nach einer internationalen Untersuchung des Attentats umgehen.

Die Sicherheitskräfte gaben unterdessen die Festnahme eines Al-Kaida-Extremisten bekannt, der als Drahtzieher für einen Selbstmordanschlag im November verantwortlich war. Neben dem früheren Major seien im Dezember in der Stadt Lahore sechs weitere Verdächtige aufgegriffen worden. Bei dem Anschlag auf einen Bus der Luftwaffe in Sargodha wurden am 1. November acht Menschen in den Tod gerissen und rund 40 weitere verletzt.  

Musharraf: Bhutto für ihren Tod selbst verantwortlich
Zuvor hatte Musharraf der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto die Hauptschuld an ihrem Tod zugeschrieben. Bhutto habe sich leichtsinnigerweise in Gefahr gebracht, als sie sich nach der Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi ihren Anhängern noch einmal durch das Schiebedach ihres Autos gezeigt habe, sagte Musharraf in einem Interview mit dem TV-Sender CBS. "Die Verantwortung lag alleine bei ihr." Seine Regierung habe alles Erdenkliche getan, um Bhutto zu schützen.

Musharraf hat in dem Interview auch erstmals eingeräumt, dass Bhutto von einem Attentäter erschossen worden sein könnte. Damit widersprach er den bisherigen Darstellungen seines Innenministeriums, nach denen Bhutto gegen ihr Autodach geschlagen und dabei tödlich verletzt worden sein soll. Auf die Frage, ob ein Schuss für Bhuttos Tod verantwortlich sein könnte, antwortete Musharraf: "Ja, absolut, ja. Eine Möglichkeit."

Bhutto-Partei fordert unabhängige Untersuchung
Bhuttos Pakistanische Volkspartei PPP hatte bereits kurz nach dem Mordanschlag erklärt, die frühere Regierungschefin sei durch eine Kugel am Kopf getroffen worden. Erst anschließend habe sich der Attentäter in die Luft gesprengt. Bhutto hatte zum Zeitpunkt des Mordanschlages aus einem Schiebefenster im Dach des Wagens herausgeschaut. Musharrafs Umschwung zeige nun, dass eine unabhängige Untersuchung von Bhuttos Tod durch die Vereinten Nationen notwendig sei, sagte ein Parteisprecher der Nachrichtenagentur AFP. Die PPP hatte dies bereits mehrmals zuvor gefordert.

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