03.01.2008 16:24 |

Krimikult am PC

Agatha Christie: Das Böse unter der Sonne

Wer kennt ihn nicht, den belgischen Detektiv Hercule Poirot aus der Feder von Krimimeisterin Agatha Christie. Bereits 1920 erschien der erste Roman, in dem der eigenwillige Besserwisser einen Mörder zur Strecke brachte, und dennoch haben die Geschichten rund um den Kultermittler nichts von ihrer Spannung eingebüßt. Das beweist auch die Tatsache, dass immer wieder Agatha-Christie-Romane in Spielform erhältlich sind, aktuell "Das Böse unter der Sonne".

Hercule Poirot sitzt in seiner Wohnung und muss den Schrecken des Zweiten Weltkrieges bei Angriffen der Nazis auf seine Wahlheimat London ins Auge blicken. Um sich abzulenken, lädt er seinen alten Freund Arthur Hastings ein. Der hat des Öfteren Probleme damit, sich in die komplexe Gedankenwelt des berühmten Detektivs einzufinden und nachzuvollziehen, wie Poirot Morde enträtselt. Also erzählt Poirot von seinem letzten Fall und lässt Hastings so in seine Haut schlüpfen.

Der Spieler erhält erst allerlei nützliche Gegenstände, bevor er - sozusagen in Poirots Gedanken - von der Wohnung in ein elegantes Hotel am Mittelmeer reist. Noch ist kein Mord geschehen, stattdessen lernt der Spieler in Poirots Gestalt die Protagonisten kennen. Da ist zum Beispiel die berühmte Schauspielerin Arlena Marshall und ihr Mann sowie seine Tochter, die mit ihrer Stiefmutter so ihre Probleme hat. Auch zwei weitere Ehepaare vertreiben sich auf der Insel die Zeit - während einer der Männer unter dem Pantoffel steht, flirtet der junge Patrick Redfern ungeniert vor den Augen seiner Frau Christine mit der schönen Arlena.

Der Spieler ist anfangs hauptsächlich damit beschäftigt, die anderen Touristen kennen zu lernen. Darauf folgen die ersten kleinen Aufgaben, etwa einen Vogelbeobachtungsstand bauen oder einen von Öl verklebten Piepmatz säubern. Dazu müssen Gegenstände gesammelt und kombiniert, Gespräche geführt oder Bücher eingekauft werden, das alles geht dank der gelungenen Steuerung und des übersichtlichen Inventars gut von der Hand. Leider stellen die Rätsel keine große Herausforderung dar, sind die benötigten Items erst gefunden.

Am raschen Durchspielen hindert dagegen des Öfteren der streng lineare Storyaufbau. Den Gamer beschleicht hin und wieder das Gefühl, er sollte sich hellseherische Fähigkeiten zulegen - wenn wieder einmal das nächste Kapitel partout nicht startet, obwohl alle Aufgaben erledigt wurden. Oft geht es ärgerlicherweise erst nach schier endlosem Herumgerenne auf Insel und Festland, dem Lauschen an allen Türen und der - wiederholten - Durchsuchung sämtlicher Zimmer weiter.

Erst nach geraumer Zeit findet - wie aus Buch und Film bekannt - der Mord an besagter Schauspielerin Arlena Marshall statt, und Verdächtige gibt es zuhauf. Außerdem gilt es, zwei alte Morde sowie gruselige Voodoo-Rituale aufzuklären und herauszufinden, ob die deutsche Uboot-Flotte bereits vor der britischen Küste aufläuft. Schmuggler und ein vermeintlicher Geist tun ihr übriges, Spannung aufzubauen.

Fazit: Grafisch ist das Game - im Adventure-Bereich - lediglich Mittelmaß, auch die Rätsel sind nicht gerade herausfordernd. Die Figuren sind hingegen gelungen, ebenso wie die komfortable Bedienung. Die überaus spannende Geschichte von Agatha Christie verliert im Game aufgrund der diversen Verstrickungen zwischendurch immer wieder an Fahrt, was auch dem streng linearen Aufbau zuzuschreiben ist. Das Highlight des Games sind die Gespräche zwischen Hastings und dem Meisterdetektiv, dessen Eitelkeit ihm einige Male im Weg steht - zu empfehlen ist das Spiel also vor allem Krimi- und Poirot-Fans.

Plattform: PC
Publisher: JoWooD
Krone.at-Wertung: 72%

Von Bernadette Geißler

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