27.11.2007 08:39 |

Space-Saga

Mass Effect

Der Weltraum - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2138. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs SS Normandy, das mit seiner Besatzung unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen und den Schurken Saren zur Strecke zu bringen. Doch "Mass Effect", der neueste Clou der BioWare-Studios ("Baldur's Gate", "Knights Of The Old Republic", "Jade Empire"), bietet noch viel mehr als das und entführt den Spieler in einem Mix aus Rollenspiel und Shooter in fremde Galaxien.

Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, beginnt auch "Mass Effect" mit der Erstellung des eigenen Charakters. Wer nicht auf die vorgefertigte Figur des John Shepard zurückgreifen möchte, kann aus insgesamt sechs Klassen wählen, wobei sich drei von ihnen als Mischformen der Hauptklassen "Soldier", "Engineer" und "Adept" erweisen.

Während der Soldat ein Meister des Nahkampfs und sämtlicher Waffengattungen ist, versteht sich der Ingenieur auf das Hacken von Verteidigungssystemen oder gesicherten Zugängen. Der "Adept" wiederum kann mit Hilfe seiner mentalen Kräfte die Umwelt manipulieren und so etwa Gegner scheinbar mühelos in die Luft hieven und kampfunfähig schweben lassen.

Angst, sich für eine falsche Klasse zu entscheiden, muss man glücklicherweise nicht haben. Binnen kürzester Zeit gesellen sich nämlich weitere NPCs hinzu, die mit ihren Talenten die eigenen Unzulänglichkeiten kompensieren. Eine kleine Einschränkung gibt es dann allerdings doch: Da jedes Einsatz-Team nur aus drei Charakteren besteht, sollte das Team vor den Ausflügen auf fremde Planeten sorgfältig zusammengestellt werden.

Die ganz besondere Note erhält "Mass Effect" nun durch die Kombination klassischer RPG-Elemente mit action-lastiger Shooter-Kost. Als Commander der SS Normandy verschlägt es den Spieler auf der Suche nach dem verräterischen Saren, der die ganze Galaxis zu vernichten droht, nämlich in Dutzende Sternensysteme, die mit den unterschiedlichsten Bedrohungen aufwarten.

Um diesen begegnen zu können, ist das Team neben den klassenspezifischen Fähigkeiten auch mit allerlei Waffengewalt ausgestattet. Pistolen, Sturmgewehre oder Sniper gehören ebenso zum Inventar wie Schrotflinten und Gewehre. Was davon nicht auf den Sternen-Ausflügen erbeutet oder gefunden wird, kann bei den diversen Händlern gegen Credits erstanden werden. Zudem lässt sich jedes Item mit zusätzlichen Upgrades versehen, um etwa die Waffe vor dem Überhitzen zu schützen oder den Schild der Rüstung zu erhöhen.

Bei den Missionen kann der Spieler nun über einfachen Tastenbefehl den Weggefährten die jeweilige Waffe, Fähigkeit und auch Position zuweisen, was dem Spiel zusätzlichen strategischen Tiefgang verleiht. Die Kameraden beziehen dann so etwa hinter einem Felsen Stellung, um Feuerschutz zu geben oder greifen auf direkten Befehl auch unmittelbar an - theoretisch zumindest, denn in der Praxis wundert man sich immer wieder, wo denn die Unterstützung unterwegs verloren gegangen ist.

Schon besser ist es da, wenn alle zusammen im "Mako" sitzen und daher nicht verloren gehen können. Mit diesem dreiachsigen Space-Rover kann der Spieler nicht nur schnell große Distanzen auf den unterschiedlichen Planeten zurücklegen, sondern ist zudem vor den mitunter gefährlichen Atmosphären geschützt. Zu sehr in Sicherheit wiegen sollte man sich aber dennoch nicht, denn trotz Bewaffnung mit einer Mini-Gun und einer Kanone kann das Fahrzeug nicht allzu viele Treffer einstecken, ehe es in Flammen aufgeht und die gesamte Besatzung in den Tod reißt.

Hat man trotz aller Gefahren schließlich doch sämtliche Gegner aus dem Weg geräumt, die typischen, aber durchaus abwechslungsreichen Beschaffungs- oder Eliminierungs-Quests sowie diverse Rätsel in Form kleiner Minispiele gelöst, wird man mit Erfahrungspunkten belohnt, die wiederum einen Levelaufstieg zur Folge haben und somit das Ausbauen der eigenen Talente ermöglichen. Sehr praktisch: Sämtliche Crewmitglieder, auch jene, die gerade nicht auf Mission sind, steigen ebenfalls auf, so dass sich stets alle Weggefährten auf dem gleichen Level befinden.

Neben der tiefgehenden Geschichte und dem spannenden Genre-Mix hat "Mass Effect" schließlich auch in optischer Hinsicht etwas zu bieten. Wenngleich die Umgebung prinzipiell recht steril ausgefallen ist, ist es den Machern gelungen, ein kleines Spiele-Universum zu erschaffen. Bei einem Besuch des Amüsier-Lokals auf Citadel Station fühlt man sich zwischen all den unterschiedlichen Alien-Rassen mit ihren Dialekten und sonderbaren Outfits unweigerlich an George Lucas' Mos Eisley erinnert.

Besonderen Wert haben die Macher neben tollen Lichteffekten und satten Explosionen jedoch vor allem auf die Gesichtsanimationen der Charaktere gelegt, die bei den vollständig vertonten und in Echtzeit ablaufenden Dialogen zur Geltung kommen und so ein Plus an Atmosphäre schaffen. Trotz oder gerade wegen dieser Grafikpracht muss der Spieler jedoch immer wieder etliche Ruckler und plötzlich auftauchende Texturen in Kauf nehmen.

Fazit: "Mass Effect" bietet eigentlich alles, was ein gutes Rollenspiel auszeichnet: Eine profunde Story, interessante Charaktere in einer abwechslungsreich gestalteten Welt, vielfältige Quests, toll in Szene gesetzte (wenn auch mitunter etwas lange) Dialoge und jede Menge Items, die den Sammeltrieb befriedigen. Hinzu gesellen sich die action-lastigen Shooter-Elemente, die sowohl in optischer als auch soundtechnischer Hinsicht begeistern. Trotz einiger Schwächen, wie der zum Teil lahmen Kameraden-KI und der Ruckler, stehen Xbox360-Besitzern mit diesem Genre-Mix viele schlaflose Nächte vor der Konsole bevor.

Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
Krone.at-Wertung: 93%


von Sebastian Räuchle

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