Zeichen gesetzt

Türkei: Erstmals lebenslange Haft für "Ehrenmord"

Ausland
15.11.2007 11:12
Die Türkei setzt Zeichen im Kampf gegen so genannte "Ehrenmorde". In Istanbul sind zwei Brüder von einem Gericht wegen des Mordes an ihrer Schwester zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Der Ältere erhielt lebenslang, das härteste Urteil, das bisher in der Türkei wegen eines "Ehrenverbrechens" verhängt worden war. Der jüngere Bruder, zum Tatzeitpunkt noch minderjährig, muss für 15 Jahre hinter Gitter.

Das zum Zeitpunkt seiner Ermordung 22-jährige Opfer, Güldünya T., gilt am Bosporus als Symbol des Kampfes gegen die Ehrenmorde. Das Urteil könnte Präzedenzwirkung haben, meinen Experten. Irfan und Ferit T. hatten im Jahr 2004 ihre Schwester Güldünya T. nach einem fehlgeschlagenen Mordversuch umgebracht. Sie hatte sich geweigert, zur "zweiten Frau" ihres Cousins zu werden, nachdem dieser sie vergewaltigt hatte und sie schwanger geworden war.

Schwester kaltblütig im Krankenhaus erschossen
Nach der Geburt ihres Babys flüchtete Güldünya vor ihrer Familie in eine Polizeiwache in Istanbul. Nachdem ihre Verwandten versichert hatten, dass man sie nicht töten werde, schickte die Polizisten sie ins Haus ihres Onkels im als Fundamentalistenhochburg geltenden Bezirk Fatih. Dort wurde sie von ihren Brüdern attackiert, sie konnten aber verletzt flüchten. Zwei Tage später wurde sie im Spital mit zwei Schüssen in den Kopf ermordet.

Der Fall wurde auch von der UNO-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen, Yakin Ertürk, aufgegriffen. 2004 startete amnesty international eine Briefkampagne zur Erinnerung an Güldünya Tören. Das Baby von Güldünya ("Rosenwelt") hatte von ihrer Mutter den Namen "Umut" ("Hoffnung)" erhalten und war zur Adoption freigegeben worden. Auf Anordnung der staatlichen Stellen befindet sich das Kind jetzt in der Obhut der Wohlfahrtsbehörden.

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