13.11.2007 13:28 |

London Calling

Hellgate London

Als kluger Kopf der Spieleschmiede Blizzard war Bill Roper maßgeblich an der Entstehung solcher Meilensteine wie "Warcraft", "Starcraft" und vor allem "Diablo" beteiligt. Ob "Hellgate London", Ropers neuestes Projekt, den hohen Erwartungen der Fans gerecht wird, erfährst du hier.

Die Geschichte zu "Hellgate London" ist schnell erzählt: Getreu dem Motto "Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, dann kommen die Toten auf die Erde" fallen Dämonen im Jahr 2020 über London her und zwingen die wenigen Überlebenden in den Untergrund. In den Schächten der U-Bahn rüsten sich Templer, Cabalisten und Jäger für die finale Schlacht.

Für den Spieler bedeutet das vor allem eines: Gemetzel. In feinster "Diablo"-Manier gilt es sich durch die bei jedem Start neu generierenden Level zu kämpfen, dabei Erfahrung zu sammeln und somit sukzessive aufzusteigen. Mit jedem Levelaufstieg dürfen nicht nur Attribute wie Stärke, Präzision, Ausdauer oder Willenkraft verbessert, sondern auch aktive und passive Fähigkeiten ausgebaut werden.

Templer, Cabalisten und Jäger
Hier kommen die unterschiedlichen Klassen des Spiels zum Einsatz: Während die Gruppe der Templer mit dem Hüter und dem Schwertmeister auf den Nahkampf spezialisiert ist, verstehen sich der cabalistische Beschwörer und der Kampfmagier auf die dunklen Künste. In Sachen Magie nahezu unbegabt, dafür mit jeder Menge Feuerkraft ausgestattet, sind hingegen die Jäger, bestehend aus Scharfschütze und dem Drohnen und Bots bauenden Ingenieur.

Die Wahl der Klasse hat in "Hellgate London" jedoch nicht nur Auswirkungen auf die zur Verfügung stehenden Fähigkeiten bzw. Zauber, sondern äußert sich auch unmittelbar in der Optik: Während das Geschehen beim Schwertkampf aus einer 3rd-Person-Perspektive zu verfolgen ist, kann beim Schießen mit einer oder zwei Waffen in eine Egoperspektive gewechselt werden.

Die Waffen unterscheiden sich übrigens nicht nur in punkto Reichweite, sondern auch durch die Art des verursachten Schadens - Gift, Feuer oder etwa Blitz. Um die Schadenswirkung zu erhöhen, können allerlei Modifikationen angebracht werden, welche es zumeist beim Schmied des Vertrauens zu erstehen gibt. Anders als etwa bei "Diablo" können diese Modifikationen jedoch auch wieder entfernt werden (das nötige Kleingeld vorausgesetzt), um dann auf anderen Waffen erneut Verwendung zu finden.

Aus Alt mach Neu
Eine weitere Möglichkeit, an neues Equipment zu gelangen, ist das Recycling alter Rohstoffe: Jeder Gegenstand lässt sich in seine Einzelteile zerlegen und bei entsprechenden Automaten neu zusammensetzen. Anstatt also Items einfach wegzuschmeißen, um sich etwa im natürlich viel zu kleinen und leider nicht automatisch sortierbarem Inventar Platz zu schaffen, können diese zerkleinert und anschließend wieder verwertet werden.

Egal, ob die Waffe nun selbst gebaut oder selbst gekauft ist: Gut gerüstet sollte man auf jeden Fall sein, wenn man sich in die Londoner U-Bahnschächte, das British Museum, den Piccadilly Circus oder sogar direkt in die Hölle traut. Neben den typischen Untoten wie Zombies oder Skeletten wartet "Hellgate London" mit einem vielfältigen und abwechslungsreichen Bestiarium auf. Diverse Zwischengegner verlangen dem Spieler von Zeit zu Zeit zwar etwas mehr ab, bieten als Entlohnung jedoch wertvolle Unique-Items.

Darüber hinaus gibt es kostbare Gegenstände natürlich als Belohnung für erfolgreich absolvierte Quests abzustauben. Gerade hier verschenkt "Hellgate London" jedoch enormes Potenzial, da die zahlreichen "Bringe dies"- und "Töte das"-Aufgaben nun wirklich nicht zur originellen Sorte zählen. Ebenfalls in diesem Zusammenhang muss leider erwähnt werden, dass sämtliche Dialoge nur in Textform vorliegen, was der Spielatmosphäre nicht zuträglich ist. Glücklicherweise machen die satten Soundeffekte und der spärliche, aber gezielte Einsatz von Musik dieses Manko wieder wett.

Bunte Zauber in grauer Welt
Auch in grafischer Hinsicht muss sich "Hellgate London" der Kritik aussetzen: Zwar generieren sich, wie erwähnt, die Level bei jedem Laden neu, was einen hohen Wiederspielwert schafft, dafür ist dieses Grafik-Baukastensystem aber auch deutlich sichtbar. Viele ausgebrannte Autowracks, Mistkübel, Plätze oder Straßenzüge gleichen sich oftmals. Bis auf die farbenfrohen Zauber wirkt das Spiel zudem über weite Strecken detailarm. Im Vergleich zu aktuellen Rollenspielen oder Egoshootern für den PC ist "Hellgate London" nur Mittelmaß.

Zu guter Letzt bietet "Hellgate London" auch einen Multiplayer-Modus, in dem man als Gruppe miteinander oder zu zweit gegeneinander antreten kann. Während der Multiplayer-Modus prinzipiell allen Spielern offen steht, wird es neue Inhalte und zusätzliche Quest jedoch nur gegen eine Monatsgebühr von rund zehn Euro geben. Ob die Entwickler der Community damit einen Gefallen tun, bleibt abzuwarten.

Fazit: "Hellgate London" ist streng genommen ein in der Zukunft spielendes "Diablo", das aber leider in punkto Story und Atmosphäre nicht mit dem alten Vorbild mithalten kann. Obwohl das Spiel nicht der erhoffte große Wurf geworden ist, vermag es aufgrund der interessanten Charaktere, dem Wechsel zwischen Ego- und 3rd-Person-Perspektive sowie den vielen Items aber dennoch für viele Stunden vor den PC zu fesseln.

Plattform: PC
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 81%


von Sebastian Räuchle

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