Mit Finnlands Newcomern "Sturm und Drang" (nicht notwendigerweise mit "Sturmgeist89" zu assoziieren) hatten Apocalyptica die Hard-and-heavy-Version von Tokio Hotel mit dabei. Die Greenhorns Baujahr 1992 konnten mit ihrer 25-minütigen Show bei den eingeschworenen Fans einen Achtungserfolg verbuchen.
Pünktlich um 21 Uhr nahmen dann die drei Cellisten von Apocalyptica plus Fixmitglied Mikko Sirén am Schlagzeug und Tour-Support Antero Manninen auf ihren überdimensionalen Hohepriester-Sesseln Platz. Über der Bühne thronte groß und mächtig das Symbol der Band - ein Cello-Korpus mit grimmiger Fratze statt F-Löchern. Anderthalb Stunden lang gab's dann abwechselnd Songs ihres neuen Albums "Worlds Collide" und Material von ihrer Abschlussprüfung an der Sibelius-Akademie, aus der später ihr Debütalbum "...Plays Metallica By Four Cellos" entstanden war, sowie eine sehr skurrile Speed-Metal-Version von Edvard Griegs "In der Halle des Bergkönigs".
Bemerkenswert war anzuhören, wie die beiden stets headbangenden Frontgeiger Perttu Kivilaakso (der Dunkelhaarige) und Eicca Toppinen (der Blonde) die Stimmen der Album-Gastsänger von Sepulturas Max Cavalera bis zu Lacuna-Coil-Frontlady Cristina Scabbia ersetzten. Hier wurde mal mit dem Rosshaar-Bogen einfach auf die Saiten gedroschen, Flageoletttöne für die weibliche Stimme gespielt oder man entlockte dem Holzinstrument durch ein Anstreichen der Saiten hinterm Steg ein Mark und Bein erschütterndes Kreischen bzw. ein tiefes Grunzen, wenn es galt, Corey Taylor von Slipknot zu imitieren. Wahnsinn!
Der Preis für den "man of the race" geht aber an Drummer Mikko Sirén, den Keith Moon des Heavy Metal. Aufgrund der fehlenden Sänger hatte Sirén speziell bei den gespielten Metallica-Covers "One", "Seek And Destroy" und "Enter Sandman" viel Platz für atemberaubende Fills und akrobatische Tempo-Einlagen. Selbst im Höllentempo hielt sich der auf einem transparenten Acryl-Schlagzeug werkende Finne "in time". Wer über keine lange Mähne verfügt und somit am kollektiven Headbangen im Gasometer nicht wirklich überzeugend teilnehmen konnte, für den bot Sirén mit seinen überdimensionalen Trommelgrößen, für deren verhältnismäßige Bedienung andere zwei Vorschlaghämmer empfehlen würden, eine martialische Show mit viel Posing.
Christoph Andert
Fotos: Andreas Graf









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