BAWAG-Prozess

Zeugin bringt BAWAG-Banker ins Schwitzen

Österreich
06.11.2007 19:53
Einblicke in die Abwicklung der Sondergeschäfte der BAWAG mit Wolfgang Flöttl und die Verheimlichung der Verluste durch die Stiftungskonstruktionen in Liechtenstein lieferte am Dienstag, dem 47. Verhandlungstag, die Zeugeneinvernahme von Renate Zartler Schwob. Die langjährige Mitarbeiterin der BAWAG (Abteilung „Beteiligungen“) hat Papiere erstellt, die Zahlungsflüsse mit Kreditlinien in Vereinbarung bringen. Bei ihrer Aussage entwickelte sich am Nachmittag ein Hick-Hack unter den Angeklagten, wobei abermals der frühere BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz und Ex-Vorstand Christian Büttner ihre eigene Rolle und ihr Wissen als geringfügig darstellten.

Als Nachfolgerin von Nakowitz, der 1997 von der Abteilung Beteiligungen ins Generalsekretariat der Bank wechselte, war Zartler-Schwob für die konkrete Abwicklung der Geschäfte mit Flöttls Firmen zuständig. Nakowitz habe ihr damals die Kreditunterlagen gegeben und sie auf die hohe Geheimhaltung hingewiesen.

Nakowitz habe die Unterlagen unter Verschluss verwahrt, schilderte Zartler-Schwob heute als Zeugin vor dem Schöffengericht. Nakowitz habe ihr auch die Verträge der Bank mit Flöttl vorgelegt und gemeint, im Normalfall seien solche Unterlagen viel umfangreicher, in diesem Fall sei dies aber wegen des „besonderen Vertrauensverhältnisses“ zu Flöttl nicht notwendig.

Für Prozessbeobachter wie ein absurdes Theater mutete dann die Schilderung an, wie Zartler-Schwob nach einer Vorstandssitzung Ende Oktober 1998 Kreditanträge der Fachabteilung an den Vorstand verfasste und diese mit Daten vor der Vorstandssitzung rückdatierte. Auf Deutsch: Sie musste Aktennoten verfassen, die bereits geflossene Gelder rechtfertigen sollten. Dass mit diesen Konstruktionen der erste große Totalverlust Flöttls vertuscht werden sollte, wusste sie nach eigenen Angaben damals nicht. Ihre damalige Chefin Ingrid Winter-Reumann hatte von „Umstrukturierungen“ gesprochen, von Verlusten habe sie nichts vermutet, betonte die Zeugin.

„Das ist ja ein Perpetuum Mobile“, wunderte sich Richterin Claudia Bandion-Ortner über diese Geldflüsse: Die Kredite an Flöttl bei der BIF (BAWAG International Finance) seien durch das Geld der Stiftungen abgedeckt worden, das Geld für die Stiftungen in Liechtenstein kam aber wiederum von der BAWAG. Aufhorchen ließ Zartler-Schwob als sie erklärte, wer die Anweisung zur Überweisung der Gelder Ende Oktober 1998 unterschrieben habe. Ihrer Erinnerung nach trug die Anweisung die Unterschriften von Peter Nakowitz und ihrer Chefin, Ingrid Winter-Reumann. Das entsprechende Dokument soll nun dem Gerichtsakt angefügt werden.

Ex-Bilanzierer: „Flöttl-Geschäfte nicht riskant“
Einen Rückblick auf die 1994 rückgeführten „Karibik-1“-Geschäfte der BAWAG mit Wolfgang Flöttl gab dann am Nachmittag der Zeuge Hermann Ziegler, pensionierter Leiter der BAWAG-Bilanzabteilung. Bei der Rückführung seien der Bank keine Verluste entstanden, auch zuvor habe man mit Flöttl jun. Gewinne gemacht, betonte Ziegler. Die Flöttl-Geschäfte schienen ihm damals nicht riskant, da auch bei einem Verlust von 20 Prozent noch immer kein Verlust für die Bank eingetreten wäre. Flöttl jun. habe hauptsächlich Geschäfte mit Aktien gemacht, nicht mit derivativen Papieren und Swaps. Flöttl jun. habe auch durch den Ankauf von Russland-Forderungen der Bank geholfen. Die an die BAWAG zurückgeführten 23 Milliarden Schilling mussten damals kurzfristig veranlagt werden, das habe zu Einbußen bei den Zinsen geführt. Trotzdem sei die Bilanz 1994, die Abschiedsbilanz für den scheidenden Generaldirektor Walter Flöttl, sehr gut ausgefallen, betonte Ziegler.

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