Mando Diao

"Never Seen The Light Of Day"

Musik
07.11.2007 17:07
Schon bei ihrem ersten Album outeten sich Mando Diao als Fans der Beatles. Später brüstete sich Sänger Björn Dixgard sogar mit dem legendären Satz, Mando Diao würde die „bessere Alben machen“. Dieses Versprechen beginnen sie jetzt einzulösen: Mit der neuen Platte „Never Seen The Light Of Day“ rücken Mando Diao ihren Idolen so nah wie noch nie. Der elf Tracks starke Longplayer kommt nur 14 Monate nach dem letzten Album „Ode To Ochrasy“ und ist in gerade einmal zwei Wochen mitten in einem sonderbaren Kreativhoch entstanden – und ist das bisher beste Werk der Band aus dem kleinen Borlänge. Wir trafen Mando Diao vor ihrer FM4-Session in Wien.
(Bild: kmm)

Als Mando Diao vor drei Jahren mit ihrer Hitsingle „Down In The Past“ europaweit bekannt wurden, glaubten viele an einen Trend, der rasch wieder vorübergehen wird. Das Album „Hurricane Bar“ wurde jedoch ein Topseller und die fünf Mittzwanziger spielten sich auf so ziemlich jedem Festival, das einen Namen hat, die Hornhaut von den Fingern. Doch erst mit ihrem dritten Longplayer holten sie sich auch von eingefleischten Rock-Kritikern Anerkennung. Wer die Band mit „Never Seen The Light Of Day“ jetzt immer noch nicht ernst nehmen möchte, dem ist nicht mehr zu helfen.

Gustaf Noren und Björn Dixgard schrieben das Songmaterial für „Never Seen The Light Of Day“ über die freien Weihnachtsfeiertage. Die Zeit zwischen den gut 130 Konzerten, die Mando Diao seit November 2006 gegeben haben (100 davon spielten sie allein heuer) war kurz und dennoch von einem sonderbaren Kreativhoch der beiden Masterminds geprägt. Noch während Dixgard in Malaysien urlaubte, begannen die anderen vier mit den Aufnahmen. Es war sogar ein „neuer“ Gitarrist dabei, dessen Tracks Dixgard aber in nur drei Tagen neu einspielte.

Für die Produktion zeichnet Björn Olsson verantwortlich, der die tourende Band während der Post-Production mit MP3-Mixes versorgte und ihnen hin und wieder mit seinen Klangexperimenten gehörigen Schrecken einjagte. Schon beim letzten Album wollten sie mit Olsson zusammenarbeiten, aber erst an „Never Seen The Light Of Day“ wollte sich der wählerische Soundtüftler-Gott heranwagen.

Die neuen Songs sind geprägt von einer USA-Reise und vom intensiven Tourleben der Band, die heuer übrigens nicht mehr live spielen wird (bis auf Sänger Björn Dixgard, der mit den neuen Songs auf Clubtour geht. In Österreich: 22.11. in Graz, PPC; 23.11. in Wien, Flex; 24.11. Linz, Posthof; 25.11. in Salzburg, Rockhouse; danach spielt er noch sieben Gigs in Deutschland und der Schweiz) und eine Auszeit nimmt um nach eigenen Angaben endlich mal zum Zahnarzt gehen zu können, die Postleitzahl der neuen Wohnung auswendig zu lernen und um - wie es Schlagzeuger Samuel Giers sagt - „zuhause frühstücken und zwischen seiner Freundin aufwachen zu können.“ Mehr dazu auf krone.tv.

„Never Seen The Light Of Day“ ist eine Mischung aus Spaghetti-Western, Konzeptalbum mit Streichersextett und Bläser-Sektion und Geschichten aus einer Welt, in der es nur Morgengrauen und Dämmerung gibt. Wäre es ein Film, so würde die Band den Sergio-Leone-Klassiker „Once Upon A Time In The West“ („Spiel mir das Lied vom Tod“) wählen. Die Songs klingen auch danach: „Train On Fire“, „Misty Mountains“, „Macadame Cowboy“ oder das ekstatische „Gold“. Stets mit verdächtig nach Ennio-Morricone-Soundtrack klingenden Intros beginnend, fügen sie sich so geschmeidig aneinander, wie bei keinem anderen Album der Band zuvor.

Die Single „If I Don’t Live Today, Then I Might Be Here Tomorrow“ dauert nur zwei Minuten und ist nicht einmal das kürzeste Stück auf der Platte. Wie es sich für ein ordentliches Konzeptalbum gehört, finden sich aber auch Tracks in Überlänge: „One Blood“ dauert fast sieben Minuten und klingt, als hätten sie die Nine Inch Nails mit an Bord geholt, mit dem fast acht Minuten langen „Dalarna“ findet sich ein herausragendes Instrumentalstück.

Zwischendurch schaffen Songs wie „Mexican Hardcore“ oder der Ohrwurm „Never Seen The Light Of Day“ mit dem treibenden Trademark-Sound der fünf Schweden wieder ein bisschen Wiedererkennungswert. In Summe macht das die Platte von der ersten bis zur letzten Minute hörenswert, denn dann wirkt sie, und zwar richtig! Das Schönste an dem Album aber ist: Nach dem zwanzigsten Durchhören entdeckt man immer noch Neues – und das lässt sich heute sehr, sehr selten von Neuerscheinungen behaupten.

10 von 10 schummrigen Tageslichtern


Christoph Andert

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