18.09.2007 11:50 |

"Nicht lustig"

Village People klagen YouTube

Die Disco-Kultband "Village People" und ihre Rechteinhaber klagen das Video-Portal YouTube. Grund: User vertonten selbst zusammen geschnittene Videos aus Nazi-Filmmaterial mit Songs der Achtziger-Truppe und benutzten Hits wie „Y.M.C.A.“ - natürlich ohne Erlaubnis der Rechteinhaber.

Die Videoclips stehen augenscheinlich vor keinem Neonazi-Hintergrund, sondern sollen das Hitler-Regime offenbar ins Lächerliche ziehen. So singen und tanzen Hitler und andere Nazi-Schergen in den auf Sekunde und Einsatz genau zugeschnittenen Clips zu Songs wie „Y.M.C.A.“, „Macho Man“ oder „Go West“ Playback.

„Es ist einfach nicht lustig“, beschwert sich John Giacobbi von der britischen Firma „Web Sheriff“, die die Videos für die Rechteinhaber der Village-People-Songs auf YouTube aufgespürt hat. Vor allem, weil die Autoren des Welthits „Y.M.C.A.“ jüdischen Glaubensbekenntnis’ seien, so Giacobbi zum amerikanischen Brachenportal Cnet. 500 E-Mails und Briefe habe er schon an YouTube geschickt, mit der Aufforderung, die Clips vom Netz zu nehmen. „Jedes Mal, wenn ich nachkontrolliere, finde ich sie wieder.“

Momentan scheint der „Web Sheriff“ ebenfalls kein Glück zu haben: „Y.M.C.A.“ ist zwar vom Netz, dafür stehen Clips mit „Macho Man“ und „Go West“ online – siehe Infobox. Auch mit dem Disco-Song „Born To Be Alive“ von Patrick Hernandez existiert ein ähnliches Video. Die Clips wurden zusammen über eine Million Male angesehen, wobei die Zahlen für das weitaus bekanntere „Y.M.C.A.“ nicht abrufbar sind.

Die Klage der Village-People gegen YouTube - so weit bekannt, werden die Ersteller der Videos nicht verfolgt - zeigt erneut die bereits bekannte Problematik rund um die permanenten „Rechtsbrüche“ durch User, die urheberrechtlich geschützte Inhalte online stellen, auf. Erst kürzlich klagte Popstar Prince, der sich durch die Veröffentlichung unzähliger Videos auf YouTube um Einnahmen geprellt fühlt. Das von Google gekaufte Videoportal YouTube erlangte seine Bekanntheit auch vor allem als zweckentfremdete Video-Blogging-Website. Ursprünglich sollte es Bloggern dienen, ihre Statements für die Welt in bewegte Bilder verwandeln zu können. Sehr schnell wurde YouTube zum globalen Medienarchiv – mit Inhalten, die mehrheitlich keine Amateurclips sind.

Aus österreichischer Sicht erfreuen sich etwa Schnipsel aus Fernsehsendungen wie „Dorfers Donnerstalk“ oder „Ein echter Wiener geht nicht unter“ größter Beliebtheit auf YouTube. Obwohl die Rechte dafür beim ORF oder anderern Produzenten liegen. Versuche, die Internetgemeinde vom posten geschützter Inhalte abzuhalten, verlaufen in der Regel im Sand. YouTube kommt mit dem Löschen nicht nach und irgendwann auch die Unternehmen mit dem aufstöbern illegaler Videos. Die Google-Tochter steht damit natürlich unter doppeltem Beschuss: Einerseits tut man von sich aus nichts gegen die Verbreitung geschützter Inhalte (es werden nur pornografische Videos automatisch gelöscht, Probleme mit ganzen Kinofilmen gibt es nicht, da die Videos eine maximale Größe von 100 Megabyte erreichen dürfen), andererseits verdient man Millionen mit Werbung im Video-Portal – auf Kosten des Verdienstentgangs anderer.

Gegen YouTube läuft seit Monaten eine Milliarden-Klage diverser Musikkonzerne, die mit den Videos ihrer Künstler natürlich bei legalen Downloadportalen Geld verdienen möchten, anstatt sie auf der Google-Website von anderen Usern herschenken zu lassen – die nicht geschützten YouTube-Videos können nämlich mit wenigen Klicks gedownloadet werden. Andererseits hosten bereits die Plattenfirmen selbst Videos „internetfreundlicher“ Musiker und Bands auf der Plattform, da sie umgekehrt ein riesiges Publikum damit erreichen.

Im Fall der Village People dürfte aber wohl weder die Band noch YouTube selbst etwas von dem sehr eigentümlichen Humor der Nachwuchs-Cutter haben. Abhilfe könnte da nur ein automatisiertes Zensur-System schaffen, dessen Einführung YouTube bereits vor Monaten angekündigt hat. Stellt sich bloß die Frage, wer das Portal ohne die „geklauten“ Videos noch interessant findet...

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