Banken-U-Ausschuss

Wolfgang Flöttl jun. zeigt sich gesprächig

Österreich
25.05.2007 23:19
Präzise in den Antworten, verbindlich im Ton und höchst auskunftsfreudig - so präsentierte sich Investmentbanker Wolfgang Flöttl junior vor dem Bankenausschuss im Parlament. Ein Dutzend Mal betont er, dass er von BAWAG-Chef Helmut Elsner unter Druck gesetzt worden wäre. Und zwar auch bei der Auszahlung von einer Million Schilling an Altkanzler Franz Vranitzky.

Die Gegensätze sind frappierend: Während sich Helmut Elsner vor dem Ausschuss auf sein Entschlagungsrecht und alle mögli-chen zu hütenden Geheimnisse berief, ging Wolfgang Flöttl, die zweite Zentralfigur in der BAWAG-Affäre, einen anderen Weg. Er erteilte selbstbewusst Auskunft, Rückfragen an seinen Anwalt Herbert Eichenseder gab es nur selten.

Kurz erzählte er aus seiner Sicht die Chronik der "Karibikgeschäfte". Schnell kommt dann die "Vranitzky-Million" zur Sprache. Und Flöttl legt munter los: Helmut Elsner hätte ihn Ende 1998 aufgefordert, den Altkanzler als Berater "anzuheuern". Er hätte dazu keine Notwendigkeit gesehen. Aber Anfang 1999 zahlte er, angeblich weil Elsner es unbedingt wollte, eine Million Schilling aus. Auf welche Weise Elsner Druck ausgeübt hätte, will Flöttl freilich erst im kommenden Strafprozess sagen.

Als die Abgeordneten nach einer Gegenleistung für die Million fragen, erhalten sie die Antwort: "Vranitzky hat es zwar angeboten, aber es gab nix zu beraten." Der Altkanzler hat stets betont, dass er in Fragen der Euro-Umstellung hilfreich gewesen wäre. Doch der Ausschuss-Vorsitzende, FP-Abgeordneter Martin Graf, bietet eine andere mögliche Erklärung: "Vranitzky hat kurz davor einen Zivilprozess gegen ein Magazin verloren und musste eine Million Schilling zahlen."

Wolfgang Flöttl legt dann noch ein "Schäuferl" nach: Mehrmals hätte er im Ausland Politiker wie Henry Kissinger, Richard Nixon als Berater engagiert, aber die hätten stets dafür eine Gegenleistung erbracht.

In Österreich wäre er einmal noch von Helmut Elsner zur Überweisung von 320.000 Dollar auf ein Konto des Investors Martin Schlaff aufgefordert worden. Als Flöttl den BAWAG-Vorstand Peter Nakowitz um eine Erklärung dafür bat, hätte dieser kryptisch geantwortet: "Die BAWAG hat auch eine politische Funktion."

Dann wurde es im Ausschuss launig. Zur Sprache kam eine Reise im Boot des Meinl-Chefs. An Bord war auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit seiner - damals noch - Freundin Fiona Swarovski. "Gab es viele Gespräche mit ihm?", wollten die Abgeordneten wissen. "Nein", kontert Wolfgang Flöttl trocken: "Die zwei haben wir selten gesehen, die waren jung verliebt."

Nach vier Stunden ist die Einvernahme beendet. Wolfgang Flöttl fährt zurück nach New York in die noble Park Avenue, wo er wohnt. Ganz mittellos ist er ja nicht, sagt er selbst im Parlament. 

Von Peter Grotter, KronenZeitung

 

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