Mo, 19. November 2018

Einzigartiger Charme

28.10.2017 17:14

Zauberhaftes Persien – moderner Iran

Das Land des Hafis, ehemals Großreich bis vor die Tore Europas, ist ein wahrlich lohnenswertes Reiseziel, das mit tollen Sehenswürdigkeiten und einem einzigartigen Charme punktet.

Isfahan International Airport im Zentrum des Iran, des "Landes der Arier" - das bis 1935 Persien hieß: Gerade einmal knapp fünf Flugstunden sind wir von Wien-Schwechat entfernt. Auf dem Weg in die Stadt säumen Hunderte schwarze Fahnen für den Schiitenführer Ali, Schwiegersohn Mohammeds, die Straßen. Seit 1979 besteht die Islamische Republik. 90 Prozent der 80 Millionen Iraner sind Schiiten.

"Isfahan - das ist die halbe Welt", sagen die Einwohner stolz über ihre Stadt mit den vielen türkisfarbenen Kuppeln, herrlichen Gärten und Palästen. Auf dem 400 Jahre alten Imamplatz mit seinen fast 600 Metern Länge verliert man leicht die Übersicht. Erst der Blick vom Ali-Qapaou-Torpalast auf die Freitagsmoschee und die Scheich-Lotfollah-Moschee lässt die Größe des Platzes erkennen.

Direkt angeschlossen ist der Basar - eine eigene kleine Stadt in der Stadt. Leider sind während des Ramadan alle Kaffeehäuser tagsüber geschlossen. Fast alle! Eines hat offen, und wir können es uns auf drei Quadratmetern zu dritt gemütlich machen - inklusive Kaffeemaschine, Lager und Kellnerin. Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit ist die Vank-Kathredale der armenischen Christen, die in Isfahan im 17. Jahrhundert erbaut und mit faszinierenden Wandmalereien geschmückt wurde.

Ein Land der Wüsten
Halbwüste, Sandwüste, Salzwüste prägen 40 Prozent des Landes - unterbrochen nur durch grüne Flusstäler und viele noch grünere Oasen, die teilweise noch von Qanaten, das sind bis zu 200 Meter tiefe unterirdische handgegrabene Kanäle, versorgt werden. Und mit künstlicher Bewässerung wächst fast alles. So ist der Iran zweitgrößter Pistazienproduzent der Welt. In der Nähe von Varzaneh dürfen wir dem Vorläufer der Dieselwasserpumpen bei der Arbeit zusehen. Ein prachtvoller Stier zieht - begleitet von einem singenden Bauern - auf einer abschüssigen Rampe ungefähr 70 Liter Wasser auf einmal aus dem Brunnen. Hier, im Zentrum des Iran, ist die traditionelle Lehmbauweise noch weit verbreitet. Sie hat sich bewährt, denn aufgrund der geringen Niederschläge können diese Bauten Jahrhunderte überdauern. Zum Beispiel eine klassische Mühle, die wir besichtigen. Als Antrieb dient dort statt des Stieres ein Kamel, das - nach einem kurzen Lied des Müllers - von selbst stundenlang seine Runden dreht.

Wir besuchen Shiraz in der Provinz Fars, im Volksmund auch die Stadt der Liebe, der Rosen und der Nachtigallen genannt. Denn hier lebte im 14. Jahrhundert der große Dichter Hafis, der sogar Johann Wolfgang von Goethe zu seinem "West-östlichen Diwan" inspirierte - und letztlich die persische Sprache vor dem Aussterben bewahrte.

Mitten in Shiraz liegt der Vakil-Basar. Er erstreckt sich über unglaubliche 800 Meter und gilt als Meisterwerk der persischen Kultur. Unter seinen 79 Gewölbebögen herrscht eine angenehme Kühle. Wir genießen den Duft der Gewürze, beobachten die vor sich hin dösenden Basaris und eilig dahinbrausenden Motorräder; dazu perfekt gestylte und langsam dahingleitende Hausfrauen beim Einkaufen und die Männer vom Putzdienst bei ihrer Arbeit. Auch Touristen aus aller Herren Länder sind im Basar anzutreffen. Immerhin 2,3 Millionen Urlauber besuchen den Iran jedes Jahr. Ein weiterer Höhepunkt sind die Ausgrabungen der früheren Palaststadt Persepolis.

Was auch Touristinnen beherzigen sollten: Für alle Damen gilt die Kopftuchpflicht! Dabei kann man sich ein Beispiel an den einheimischen Frauen nehmen, die mit dem Kopftuch sehr kreativ umgehen. Nicht selten sitzt es sehr locker und bedeckt nur einen Teil der Haarpracht. Weit härter wird so manchen Reisenden das absolute und ausnahmslose Alkoholverbot im ganzen Land treffen. Sogar das alkoholfreie Bier hat hier echte 0,0 Prozent!

Wulf Scherbichler, Kronen Zeitung

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