Vor zwei Monaten wurden in Linz-Urfahr Hildegard Sch. (85) und ihr Gatte Siegfried (87) erdrosselt bzw. erschlagen. Ein Brand im Haus sollte Spuren vertuschen. Obwohl sich wenig später der Gemüsehändler Mohammed H. (54) stellte und alles gestand, sind Fragen offen - auch ob es Konsequenzen für die Polizei gibt.
1) Gibt es einen islamistischen Zusammenhang mit der Tat?
Der Verdächtige verneint dies. Zwar wurden auf dem Rechner des Tunesiers Sympathiebekundungen zum IS gefunden, doch es gab keine Korrespondenz mit islamistischen Kämpfern oder Führern, oder gar einen Auftrag.
2) Welche Konsequenzen hätte ein islamistischer Hintergrund?
"Ein mögliche Strafverschärfung", erklärt Staatsanwalt Philip Christl. Wenn Mohammed H. wegen Doppelmordes angeklagt wird, droht ohnehin "lebenslang".
3) Warum hat Mohammed H. die SIM-Karte des Handys verschwinden lassen?
Vermutlich um Spuren zu verwischen, Internet-Bewegungen und Anrufe wurden dennoch rekonstruiert.
4) Hatte der Verdächtige weitere Opfer im Visier?
Wahrscheinlich, da Mohammed H. ein Treffen mit dem Sohn des Ehepaares, der im Ressort eines FP-Landesrates arbeitet, verlangte. Der Tunesier machte die FPÖ für sein "patschertes Leben" verantwortlich.
5) War Mohammed H. zur Tatzeit zurechnungsfähig?
Das wird gerade durch ein Gutachten ermittelt. Es spricht aber viel dafür, da die Tat penibel vorbereitet war.
6) Warum versteckt sich der Anwalt des Beschuldigten vor der Öffentlichkeit?
Spekulation: Da ihm der Fall als Pflichtverteidiger zugelost worden war, hat er womöglich wenig Freude, vorm Prozess mit einem mutmaßlichen IS-Doppelmörder genannt zu werden.
7) Gibt es Konsequenzen für die Polizei, weil sie übersehen hatte, dass Mohammed H. schon als potenzieller Gefährder nach seiner Rückkehr aus Tunesien befragt worden war?
Derzeit nicht, ein Schreibfehler im Nachnamen war schuld, dass der Akt unentdeckt blieb.
Markus Schütz, Kronen Zeitung
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