Mo, 15. Oktober 2018

Panzer, Pornos & Co.

27.07.2017 16:55

So nutzen die Eliten Nordkoreas das Internet

Games, Pornos, Online-Shopping - wenn es ums Internet geht, unterscheiden sich die Gewohnheiten nordkoreanischer Nutzer kaum von denen westlicher Anwender. Das geht aus einem aktuellen Report des US-Internetsicherheitsunternehmens Recorded Future hervor, für den das Nutzungsverhalten von Diktator Kim Jong Uns engsten Vertrauten analysiert wurde.

Rund 24 Millionen Menschen leben in Nordkorea, doch Zugang zum Internet haben nur die wenigsten von ihnen. Der Mehrheit der Bevölkerung steht lediglich ein auf das Land beschränktes, nicht öffentliches Intranet zur Verfügung, dass nur den Zugang zu ausgewählten, von der Regierung genehmigten Websites ermöglicht und vor allem als Kommunikationsplattform für Ministerien, Universitäten und Unternehmen dient.

Auserwählter Nutzerkreis
Der Zugang zum weltweiten Internet ist dagegen Hotels mit ausländischen Gästen und der führenden Elite des Landes vorbehalten, die Schätzungen zufolge "höchstens ein paar Dutzend Familien" umfasst. Unabhängig von der genauen Zahl sei das Profil eines nordkoreanischen Internetnutzers jedoch klar definiert, wie der Sicherheitsanbieter Recorded Future in seinem Report ausführt: "Es handelt sich um ein vertrauenswürdiges Mitglied oder ein Familienmitglied der herrschenden Klasse."

Als solches hat man laut Recorded Future nur drei Möglichkeiten, auf das World Wide Web zuzugreifen - über eine Handvoll staatlich geführter Websites, einen russischen Satellitenanbieter oder China Netcom, Nordkoreas einzigem Internetprovider. Dies erlaubte es dem US-Unternehmen, die Internetnutzung von Nordkoreas Elite in der Zeit zwischen 1. April und 6. Juni genau zu analysieren - also jener Zeit, in der das Land zuletzt mit seinen Raketentests international für Aufsehen sorgte.

"Keinesfalls schlecht informiert"
Die Ergebnisse zeigten, so Recorded Future, dass Nordkoreas Führungsriege mit der modernen Internetgesellschaft verbunden und sich wahrscheinlich dessen bewusst ist, "welche Auswirkungen ihre Entscheidungen in Bezug auf Raketentest, die Unterdrückung der Bevölkerung, kriminelle Aktivitäten und die internationale Gesellschaft haben." Und: Entgegen dem Glauben vieler Beobachter seien Nordkoreas Eliten keinesfalls schlecht informiert.

Ein typischer Internet-Tag in Nordkorea
Der typische Internet-Tag von Kim Jong Uns engsten Vertrauten unterscheidet sich denn auch nicht wesentlich von dem eines westlichen Nutzers: Sie verbringen demnach viel Zeit auf Amazon, der chinesischen Handelsplattform Alibaba sowie sozialen Netzwerken (allen voran Facebook). Nach dem Aufstehen werden zumeist erst einmal die Nachrichten der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua und private E-Mails gecheckt oder Videos auf Chinas YouTube-Pendant Youku angesehen.

65 Prozent der Internetaktivitäten von Nordkoreas privilegierten Familien entfallen dem Report zufolge auf das Streamen von Videos oder Musik (via iTunes oder diverse BitTorrent-Seiten) sowie Online-Spiele. Demnach besonders beliebt bei Nordkoreas Eliten: das Multiplayer-Panzer-Spieler "World of Tanks". Auch vor den sexuellen Verlockungen des Internets ist die Führungsriege des Landes offenbar nicht gefeit: In einem Fall beobachteten die US-Experten, wie über einen sogenannten VPN-Dienst von einem iPad aus auf pornographische Inhalte zugegriffen wurde.

Westliche Bemühungen "gescheitert"
Recorded Futures schlussfolgert daraus: "Trotz der Sanktionen und des massiven internationalen Drucks sind Nordkoreas Führer nicht von der Außenwelt isoliert. Sie sind aktive und engagierte Teilnehmer in der heutigen Internet-Gesellschaft und Wirtschaft." Bemühungen, Nordkoreas Führungsstab von der Weltwirtschaft auszuschließen, seien demzufolge "gescheitert".

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