Sa, 18. August 2018

Kalenderwoche 27

07.07.2017 17:00

Sie stellen Fragen - Experten antworten

Unsere Leser haben jede Woche die Möglichkeit, sich mit medizinischen Fragen per E-Mail an die Gesundheitsredaktion der "Krone" zu wenden. Wir leiten die Anfragen an kompetente Fachleute aus allen Heilberufen zur Beantwortung weiter.

Abgenützte Handgelenke
Waltraud I. (59): "Ich leide seit mehr als drei Jahren an Arthrosen in beiden Handgelenken. Bisherige Behandlungen brachten so gut wie keinen Erfolg. Ich kann die linke Hand fast nicht mehr gebrauchen und bin schon ganz verzweifelt! Gibt es Spezialisten für diese Gelenke? "

Damit eine Hand normal funktioniert, ist natürlich ein schmerzfreies Handgelenk die Voraussetzung. Der Schmerz führt ja auch zur Beeinträchtigung der Unterarmmuskeln, was wiederum zu Kraftverlust führt. Es gibt eine Fülle von Operationsmethoden, die hier angewendet werden können. Allerdings nur, wenn die konservative (= nichtchirurgische) Therapie nachweislich nichts geholfen hat. Grundsätzlich kann man diese Techniken in zwei Gruppen einteilen: Operationen, bei denen die Gelenke versteift oder ersetzt werden.

Welche Möglichkeit im vorliegenden Fall am besten ist, hängt vom Schweregrad und der genauen Lokalisation der Arthrose (Abnützung) ab bzw. auch, ob eine sogenannte Instabilität besteht. Mit den Patienten muss genau besprochen werden, welche Bedürfnisse bestehen und welche Erwartungen an die Behandlung geknüpft werden. Besonders gute Chancen bieten hier Spezialabteilungen in Kliniken. Wir im Evangelischen Krankenhaus haben zum Beispiel eine eigene Abteilung für Rheumaorthopädie, was für die Leserin genau richtig sein dürfte.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Thomas Müllner
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Facharzt für Unfallchirurgie Wien/Tulln (NÖ), Vorstand der Abteilungen für Orthopädie und Traumatologie am EKH Wien.
Informationen:www.myshoulder.at, www.knieweh.at

Spastische Tetraparese
Egon H. (65): "Ich bitte um nähere Auskünfte über meine Krankheit (Spastische Tetraparese). Gibt es überhaupt eine Möglichkeit einer Besserung? Ich leide seit acht Jahren daran und stellte eine deutliche Verschlechterung seit rund zwei Jahren fest. Ich nehme Medikamente, die ich zum Teil nicht vertrage. Ich war 38 Jahre lang als Schichtschlosser beschäftigt und kann heute auf zwei Krücken kaum mehr 100 Meter weit gehen"

Der Begriff "Spastische Tetraparese" bezeichnet keine bestimmte Krankheit, sondern ist lediglich die Beschreibung eines Symptoms: Nämlich einer teilweisen Lähmung von Armen und Beinen, verbunden mit einer Erhöhung der Muskelspannung. Ursache ist eine Schädigung des oberen Anteiles des Halsmarkes oder im Hirnstamm. Das kann bei verschiedenen Krankheiten auftreten, wie etwa bei Multipler Sklerose, bei Tumoren in diesem Bereich oder auch nach Verletzungen.

Bei der vorliegenden Beschreibung wurde offenbar keine klare Ursache gefunden. Da die Symptomatik fortschreitet, spricht das für das Vorliegen einer Form einer sogenannten spastischen Spinalparalyse. Dabei handelt es sich um eine vererbte Erkrankung, von der es unterschiedliche Formen gibt. Einige davon können erst im Erwachsenenalter auftreten. Es kommt dabei zu langsam zunehmender Spannung der Muskulatur und zur Kraftabschwächung. Vorwiegend sind die Beine betroffen. Dadurch wird das Gehen immer schwerer, man kann die Beine nicht problemlos aneinander vorbei bewegen ("Scherengang"). Die Arme sind meistens nicht betroffen, können aber auch eine Steigerung der Reflexe aufweisen.

Nach dem derzeitigen Stand unseres Wissens gibt es leider keine ursächliche Behandlung im Sinne einer Heilung. Man kann aber durchaus erfolgreich versuchen, die Symptome zu lindern. Das ist zum Beispiel durch Medikamente möglich, welche die Spannung der Muskeln senken. In schweren Fällen können Wirksubstanzen auch über eine operativ eingesetzte Pumpe direkt in den Wirbelkanal verabreicht werden. Gängige Mittel sind Baclofen, Tizanidin, Benzodiazepine oder auch Cannabispräparate. In Einzelfällen kann auch der Einsatz von Botulinumtoxin versucht werden. Auf jeden Fall ist Unterstützung durch physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll!

Univ.-Prof. Dr. Siegrid Fuchs
Med. Universität Graz, Abteilung für Neurologie.
Informationen: 0316/385 80389, siegrid.fuchs@medunigraz.at

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