17.04.2017 08:44 |

An der Küste

Entdeckung der Inselwelt der Herzogin

Die Kanalinseln vereinen britischen Lebensstil mit französischem Lebensgefühl.

"Kauen - nicht schlürfen!", erklärt Justin, der Austernbauer, und hält mir das fangfrische Weichtier unter die Nase. Hier auf Jersey liegen die größten Austernbänke der britischen Kanalinseln. Umspült vom klaren, lauwarmen und nahrungsreichen Wasser des Golfstroms. Die französische Vergangenheit ist auch kulinarisch noch immer zu spüren. Fast Food gibt es nicht, dafür aber mehrere Sterne-Restaurants.

Palmenumsäumte Buchten im Süden
Das Wetter zeigt sich keineswegs britisch: Viel Sonnenschein und eine kühle Brise sind hier die typischen Verhältnisse. Auch die kleineren Inseln Guernsey, Herm, Alderney und Sark verzaubern Romantiker und Liebhaber alter Schlösser und beeindrucken mit mediterraner Natur: wilde Felsküsten im Norden und palmenumsäumte Buchten im Süden.

Hier ist von Stress und Hektik nichts zu spüren. Keine Zölle sowie ein niedriger Steuersatz locken gut Betuchte auf die Inseln im Ärmelkanal. PS-starke Boliden und Oldtimer rollen über schmale Landstraßen. Fahrspaß kommt jedoch wenig auf: Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit liegt bei 67 km/h.

Durch die klimatischen Bedingungen blühen schon im Frühling üppig die Blumen. Prächtige Fuchsien, Lilien, handtellergroße Rhododendren und sogar Palmen bringen Farbe in das satte Grün!

Eine Welt zwischen England und Frankreich
Straßennamen und geografische Bezeichnungen sind französisch, werden aber englisch ausgesprochen. Es herrscht Linksverkehr. Das liegt an der Nähe zu Nordfrankreichs Küste, aber auch daran, dass sich England und Frankreich jahrhundertelang um die Kanalinseln stritten. England behielt die Oberhand, sie sind heute jedoch unabhängig. Die Queen ist als Staatsoberhaupt anerkannt -  als Herzogin der Normandie.

St. Helier
Jerseys Hauptstadt St. Helier ist nicht besonders groß, so sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten leicht zu Fuß zu erreichen. Viele kleine Boutiquen finden sich entlang der King Street, der Einkaufsstraße St. Heliers. Eine Eigenheit gilt es zu berücksichtigen: Jersey und Guernsey haben ihr eigenes Pfund, das im Wert an das Britische gebunden, jedoch nur auf den Inseln als Zahlungsmittel einsetzbar ist.

Später steigen wir zum Mont Orgueil Castle, über der kleinen Ortschaft Gorey. Die majestätische mittelalterliche Burg bietet einen traumhaften Ausblick. Die Festung sollte die Insel vor Angriffen schützen und erfüllte diese Funktion 400 Jahre lang.

Ostküste
Die Meeresbewegungen auf Jersey sind hier stärker als anderswo auf der Welt. An der Ostküste lassen sich die Gezeiten wunderbar beobachten: Hier ist der Ort mit dem zweithöchsten Tidenhub der Welt  einem Unterschied von 12 Metern! Während der Ebbe spazieren wir auf Meeresgrund, dann wachsen die Landmassen auf das Doppelte an. So kann in dieser Zeit  der Leuchtturm La Corbière beinahe trockenen Fußes erreicht werden. Morgendliche Fischerhäfen verwandeln sich innerhalb weniger Stunden zu bizarren Mondlandschaften, Boote sitzen auf dem Trockenen.

Guernsey
Mit der Fähre erreichen wir Guernsey. Die Hauptstadt St. Peter Port gilt als eine der schönsten Küstenstädte Europas. Nirgendwo auf den Britischen Inseln stehen Kirche und Pubs so nah beieinander wie z. B. das Albion Pub und die St. Peter Port Church.

Guernsey bietet wunderbare Küstenwanderwege neben kleinen Steinmauern, die Bauern für ihre Viehherden errichtet haben. Die Einheimischen sind stolz auf ihre Identität - vor allem auf ihre Guernsey-Kühe, deren Milch besonders sahnig und leicht gelblich ist. April bis Juni ist die Haupterntezeit der "Royal"-Frühkartoffeln. Über 50 Inselbauern haben sich auf diese schmackhafte Sorte spezialisiert, die tonnenweise die Insel Richtung Großbritannien verlassen. Ihr einzigartiges Aroma verdanken sie dem Seetang von den Stränden, der als Düngemittel dient.

Das späte Licht der Abendsonne beleuchtet das Castle Cornet, das einige Meter über St. Peter Port liegt, in goldenen Farben. Die Festung bietet einen interessanten Einblick über die Geschichte der Inseln und einen tollen Ausblick auf die Hafenstadt.

Herm
Absoluter Höhepunkt unserer Reise ist der Tagesausflug nach Herm. Mit zwei Quadratkilometern ist sie die kleinste der öffentlich zugänglichen Kanalinseln und liegt 5 Kilometer östlich von Guernsey. Hier gibt es keine Autos, keine Infrastruktur und keinen Supermarkt. Das Eiland lässt sich zu Fuß, mit Pferdewagen oder Fahrrad erkunden. Gerade einmal 80 Menschen wohnen hier. Das White House ist das einzige Hotel der Insel und die ideale Destination für Ruhesuchende. Die Zeit scheint stillzustehen. Uhren, Telefone und Fernseher gibt es im Hotel nicht.

Die Miniinsel verzaubert vor allem mit ihrem karibisch anmutenden Shell Beach, der nur zu Fuß oder per Boot erreichbar ist und einen erstaunlichen Muschelreichtum aufweist. Wer ohne Hektik auskommt, der sollte nicht nur einen Tagesausflug machen, sondern länger bleiben. Denn wenn die letzte Fähre abgelegt hat, wird es still auf Herm

Sonja Jakubowics, Kronen Zeitung

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