13.04.2017 14:14 |

Die (k)östliche Ecke

Seewinkel: Wein, Wind und Weite

... wie sonst sollte man den burgenländischen Seewinkel kurz, und dennoch punktgenau, beschreiben? Gelebte Gastlichkeit und Kulinarik auf hohem Niveau verführen natürlich zusätzlich zu einem Besuch in die (k)östlichste Ecke Österreichs.

Die Wirtin ist hart - aber herzlich. Meiner Bitte nach einer kleinen Portion Gansl kommt sie erst gar nicht nach: "Wie schaut das denn aus, wenn ich so Halbheiten anrichte?" Sprach's - und verschwindet resolut Richtung Küche. Und die liegt im Gasthof zum fröhlichen Arbeiter seit mittlerweile drei Generationen in den bewährten Händen der Familie Tschida.

Auch Carl Gustaf und Königin Silvia waren hier zu Gast
Das, "mit den fröhlichen Arbeitern" zieht auch eine Anekdote aus Apetlon mit sich, denn, so die Patronin: "Jeden Freitag kam der Gutsherr hierher und zahlte seinen Arbeitern den Lohn aus." Dieser wurde dann gerne in das eine oder andere Gläschen Wein umgesetzt, und die Arbeiter wurden immer lustiger. Erzählt Elisabeth Tschida, die in ihrem Gasthaus aber auch schon gekrönte Häupter empfangen durfte. Im Juli 2015 kamen Carl Gustaf und Königin Silvia von Schweden nach einer Kutschenfahrt durch den Nationalpark ins Gasthaus. Waren völlig unkompliziert und ließen sich von Küchenchef Hannes Tschida gekochtes Rindfleisch (vom Graurind) mit Paradeiskraut schmecken. Wir uns das Gansl - zumindest zur Hälfte.

Die Brücke von Andau
Weiter geht die Reise durch den Seewinkel. Und wir machen historischen Halt bei der Brücke von Andau. Beim Ungarnaufstand 1956 haben hier unter Lebensgefahr 70.000 Menschen den Weg in den Westen gesucht. Wurden zum Teil von den unermüdlichen Andauern mit Traktoren und Anhängern über die neun Kilometer lange "Fluchtstraße" bis ins Dorf gebracht. Versorgt und verköstigt. Das werden auch wir kurze Zeit später bei einem deftigen Picknick inmitten von Weingärten.

Wind führt Regie - und das tut er sowieso immer hier im Seewinkel. Dennoch genießen wir Köstlichkeiten aus der Region Fleischschmalz, Schinken, Käse, Paprika, Paradeiser - ein gut gefüllter Brotkorb. Heißer Tee.

Weinverkostung
Kurz darauf heißt es einkehren im Weingut Scheiblhofer. Weinverkostung vom Feinsten. Allerdings in einer Location, die ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Eine "Hall of Legends" in Andau - na ja! Auch wenn der "Big John" wirklich legendär ist!

Wesentlich gemütlicher geht es dann schon im Weingut von Sepp Salzl in Illmitz zu. Naturstein, Ziegel und viel Holz. Passt irgendwie besser in die Landschaft. Und Sepp selbst - ein wenig Gérard-Depardieu-Typ, setzt vor allem auf Sorten wie Zweigelt und Blaufränkisch. Im Seewinkelhof Salzl dürfen wir dann auch unser müdes Haupt betten. Schicke, funktionelle Appartements, die ein riesiger Pool als Mittelpunkt im Innenhof verbindet.

Bei den weißen Eseln
Nach einem kleinen Frühstück geht's weiter in die St. Martins Therme & Lodge nach Frauenkirchen. Dort werden wir bereits erwartet von Chef-Biologin Elke Schmelzer. Gemeinsam wandern wir zu den weißen Eseln, die mittlerweile wahren Kultstatus in der Burgenlandtherme genießen, die es mittlerweile seit fast acht Jahren gibt. Vor allem "Fredie" - der malende Vierbeiner mit den blassblauen Augen gilt als der Superstar schlechthin (auch ich habe bereits ein Gemälde von ihm).

Wieder führt der Wind Regie. In der Weite leuchtet der Schneeberg im Licht der untergehenden Sonne. Zeit für die Heimreise. Ein wenig Abschieds-Wehmut nehmen wir mit - aus der östlichsten Ecke Österreichs wo Wein, Wind und Weite immer noch das Terrain prägen - und vermutlich auch ein wenig das Gemüt ...

Ingrid Altermann, Kronen Zeitung

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