So, 17. Februar 2019
30.03.2017 17:48

Von Grazer Firma

Programm ermöglicht Unterschrift ohne Augenlicht

Nicht alles wird mit der so genannten digitalen Revolution immer nur komplizierter. Durch ein Forschungsprojekt der Grazer Firma XiTrust und der FH Joanneum haben blinde und sehbehinderte Menschen erstmals die Möglichkeit, ohne fremde Hilfe rechtlich wasserdichte Signaturen unter Dokumente zu setzen.

Wie unterschreiben eigentlich Blinde und Sehbehinderte ihre Bescheide, Anträge und Rechnungen? "Ohne Hilfe geht es nicht", sagt Daniela Grießbauer aus St. Sebastian bei Mariazell. "Wenn ich auf Papier unterschreibe, muss es mir jemand hinlegen und meine Hand an die Stelle führen", so die fröhliche und resolute 33-Jährige, die als Fach-Sozialbetreuerin bei Alpha Nova arbeitet und von Geburt an blind ist. Bei elektronischen Dokumenten half sie sich bisher, indem sie ein Abbild ihrer Unterschrift unter dem Schriftstück einfügte.

Was gilt als elektronische Unterschrift?
Doch das ist streng genommen keine sichere Methode; die Echtheit der Unterschrift bleibt anfechtbar, wie Katrin Riemer erklärt. Die 27-jährige Software-Expertin aus dem weststeirischen Kainach hat eine Lösung parat.

Riemer arbeitet bei XiTrust Secure Technologies, einem Grazer IT-Unternehmen, das auf digitale Signaturen und die Verschlüsselung von Dokumenten und E-Mails spezialisiert ist. Eines der Hauptprodukte: Die elektronische Unterschriftenmappe "Moxis", die von prominenten Kunden wie KTM oder den Sozialversicherungsanstalten genutzt wird. Stapelweise können deren Sachbearbeiter, Manager und Geschäftspartner damit ihre Dokumente am Computer signieren.

Der deutsche Markt fordert Barrierefreiheit
Weil derlei Programme bei deutschen Behörden barrierefrei sein müssen, wurde "Moxis" mit Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft und Know-How von FH-Forscher Elmar Krainz aufgerüstet. Blinde und Sehbehinderte können Dokumente nun via Screenreader oder Braille-Zeile studieren und per Knopfdruck eine rechtlich wasserdichte Unterschrift daruntersetzen.

Den Praxistest bei Probandin Daniela Grießbauer hat die schlaue Software tadellos bestanden. Um sie neben Firmen und Institutionen auch Privatpersonen zur Verfügung zu stellen, wäre aber wegen des hohen Verwaltungsaufwands eine Kooperation mit öffentlichen Stellen nötig, wie XiTrust einräumt.

Matthias Wagner, Kronen Zeitung

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