Mo, 19. November 2018

Nach Tod von Stier:

17.01.2017 15:34

44-jährige Ungarin seither spurlos verschwunden

Ein tragisches Nachspiel hat die Silvesternacht in Sölden: Dort wurden nicht nur Raketen abgefeuert, sondern wurde auch aus einem Jagdgewehr scharf geschossen - auf einen Stier, der im Ortsteil Granstein ausgebüchst war. Zwei Tage später verschwand eine Ungarin (44), der der Bulle gehörte, spurlos. "Wenn mein Maxi tot, ich auch tot", soll sie zuvor einmal ausgesprochen haben.

Es war am Silvestertag: Der 775 kg schwere Stier war durch eine offene Luke aus einer Umzäunung ins Freie gelangt - ausgebüxt. Im Wohngebiet von Granstein fühlten sich mehrere Menschen vom Bullen bedroht, weshalb sie die Polizei alarmierten. "Es bestand keine Möglichkeit, den Stier, der keinen Nasenring trug, einzufangen. Er hätte möglicherweise auch seine Hörner als Waffe einsetzen können. Es blieb nichts anderes übrig, als einen Jäger, der zugleich auch Metzger ist, zu verständigen, und diesen mit dem Abschuss des Tieres zu beauftragen. Kein Mensch hätte Verständnis gezeigt, wenn wir nichts unternommen hätten", rechtfertigt Hubert Juen, der Bezirks-Polizeikommandant von Imst, den Einsatz.

Besitzerin nannte den Stier liebevoll "Maxi"

Der Stier wurde Mitte 2015 im Stall des Sölder Landwirts Martin Gstrein geboren. Wenig später kam die damals 42-jährige Ungarin Gabriela Varga als Helferin auf den Hof und entwickelte eine Leidenschaft zum Bullen, den sie "Maxi" nannte. Als der Stier einige Monate später zur Schlachtbank geführt werden sollte, bat sie den Bauern, "Maxi" nicht zu töten. "Wenn Maxi tot, ich auch tot", soll sie damals angekündigt haben. Der Bauer schenkte der Gehilfin daraufhin den Stier. Später kaufte sie ihm auch noch ein Kuhkalb ab. Den vorigen Sommer verbrachte die Ungarin mit "Maxi" und dem Kuhkalb in Vent auf den Weiden bei den Rofenhöfen, wo sie neben den beiden Tieren in einem Zelt (!) lebte. Zuletzt waren die Tiere in einem Stall in Granstein untergebracht.

Tötung des Tieres war nicht notwendig

Dass es unbedingt nötig war, den Stier zu töten, glaubt der Bauer nicht. "Der Stier war immer sanft, den hätte man einfangen können!" Ein Sölder Polizist entgegnet aber: "Nicht einmal seine Halterin hat sich an ihn heran getraut! Zwei Tage nach dem Tod von "Maxi" verschwand die Ungarin spurlos. Bauer Grüner erstattete am 2. Jänner Vermisstenanzeige. Alpinpolizisten und Bergretter suchten, unterstützt von Suchhunden und dem Polizeihubschrauber "Libelle", drei Tage lang -erfolglos.

Suizid oder Unfall werden nicht ausgeschlossen

"Auch in den Krankenhäusern haben wir Erhebungen durchgeführt", betont Polizei-Chef Juen. Vergeblich! Von Gabriela Varga fehlt bis heute jede Spur. Bauer Gstrein: "Ihr Auto steht noch da, im Zimmer hat sie ihren Pass und noch andere Dokumente zurückgelassen!" Suizid bzw. ein Unfall sind nicht ausgeschlossen. Hinweise erbeten an die PI Sölden Tel.: 059 133/7108.

Gebi Schnöll/ Kronen Zeitung

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