15.09.2016 11:10 |

EU-Digitalkommissar:

"Ideenwettbewerb" beim Roaming ist eröffnet

Der "Ideenwettbewerb" zur Abschaffung der Roaming-Gebühren sei eröffnet, erklärte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger in Straßburg. Es sei wesentlich, einerseits Missbrauch zu verhindern und andererseits sollen Bürger, die auf Reisen sind, nicht mehr bezahlen als zuhause. Aber "es gibt nicht den einen Telekom-Markt in Europa", so Oettinger.

Am billigsten telefoniert man derzeit in Lettland, Litauen oder Rumänien und Bulgarien. Am höchsten sei der Preis in Luxemburg, Irland, Großbritannien oder Zypern. Der Preisunterschied betrage bis zum sechseinhalb-fachen.

"Wenn ein Ire eine SIM-Karte eines Telekom-Operators in Lettland bestellt, aber nie nach Lettland fährt, sondern immer in Dublin telefoniert, muss die lettische Company aus dem Großhandelsmarkt Irland zu weit höheren Preisen einkaufen als sie selbst im Retail-Bereich Geld verdient. Die ist in wenigen Tagen insolvent und es gibt dann auch keine Investitionen mehr. Diesen Missbrauch zu verhindern, deswegen hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nun den Ideenwettbewerb eröffnet", so Oettinger.

Roaming ist nicht gleich Roaming
Der Vizepräsident der EU-Kommission, Andrus Ansip, verwies darauf, dass die Lage in den Staaten bei Roaming nicht gleich sei. "In den nordischen Staaten wie Finnland können die Leute für den gleichen Preis 35 Jahre lang 100 mal mehr Gigabyte beziehen als in Ungarn. Oder 50 mal mehr als in Deutschland. Wenn also der Preis im Inland sehr viel tiefer ist als der Gesamtpreis, den wir für die ganze EU vorgeschlagen haben, bedeutet das, dass die nordischen Länder natürlich Verluste schreiben werden, mit jedem Gigabyte oder Megabyte.

Aber gleichzeitig wissen wir, dass in den südlichen Staaten investiert werden muss." Derzeit "haben wir eine Sperrminorität von beiden Seiten. Vom Norden, die wollen tiefere Gesamtpreise, und vom Süden, weil die höhere Preise wollen. Ich bin nicht bereit zu sagen, dass die einen Recht haben und die anderen nicht. Das mache ich nicht. Wir müssen eine Lösung finden, die alle zufriedenstellt", so Ansip.

Wenn die Roamingkosten abgeschafft werden, "geht es nicht nur um die Anzahl der Tage, sondern auch darum, die Gesamtkosten festzulegen, um faire Nutzungsprinzipien zu haben". Deswegen müsse hier eben Missbräuchen ein Riegel vorgeschoben werden. Hier müsse eine Lösung gefunden werden, die "100 Prozent aller Fälle abdeckt". Wenn dies nicht möglich ist, könnte es eine Ausnahmeklausel geben, sagte Ansip.

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