Di, 21. August 2018

Ausprobiert

01.08.2016 15:56

Mit PlayStation VR auf höllischer Achterbahnfahrt

Virtual Reality steht vor einer großen Herausforderung: Damit ihr der Durchbruch gelingt, muss sie den Massenmarkt erobern. Das Zeug dazu hat nach Auffassung von Digital-Redakteur Sebastian Räuchle derzeit noch am ehesten Sonys PlayStation VR. Bei einem Pressetermin in Wien konnte er vor dem offiziellen Verkaufsstart der Brille im Herbst (erneut) einen Blick auf die Technologie werfen.

Ich gebe es offen zu: Allzu große Erfolgschancen räume ich Virtual Reality derzeit nicht ein. Blicke ich von meiner Couch in Richtung Fernseher, sehe ich einen Kinect-Sensor, ein paar 3D-Brillen sowie mehrere Move-Controller. Nintendos Wii staubt aus Platzgründen bereits im Keller vor sich hin. Alle Technologien gemein ist: Sie waren anfangs äußert vielversprechend, verschwanden - die einen mehr, die anderen weniger schnell - jedoch recht bald in der Versenkung. Zum einen fehlte es ihnen an den entsprechenden Inhalten, zum anderen an der nötigen Benutzerfreundlichkeit.

Noch viele Herausforderungen und Hürden
Virtual Reality, so meine böse Vorahnung, könnte es ähnlich ergehen. Das liegt einerseits an der Software, sprich: den Spielen. Wie zu Wii-Zeiten wurde der Markt in den vergangenen Wochen mit Spielen geradezu geflutet. Darunter viel Gutes, aber eben auch viel Halbgares: Demos, Machbarkeits-Studien und vor allem Mini-Games, die, wenn überhaupt, nur kurzzeitig zu begeistern wissen und das Interesse an der neuen Technologie schneller abkühlen lassen als dass man sich dafür erwärmen könnte.

Hinzu kommt andererseits, dass die Technologie zumeist noch nicht ausgereift ist. Das gilt insbesondere für Smartphone-VR-Systeme wie Googles Cardboard oder Samsungs Galaxy Gear. Andere wie HTCs Vive oder Oculus Rift wissen zwar in technischer Hinsicht zu überzeugen, dürften aufgrund der gesteigerten Systemanforderungen für den Normalverbraucher ohne entsprechend leistungsstarken PC aber schlichtweg zu teuer sein. Davon abgesehen bleiben auch sie in puncto Grafik hinter den Erwartungen zurück: Auf keiner der Brillen sehen Games derzeit so gut aus wie auf dem Fernseher oder Monitor zuhause.

"Möchte ich so in Zukunft meine Spieleabende verbringen?"
Bleiben zu guter Letzt aus Herstellersicht noch zwei Probleme, nämlich die Schwierigkeit, all jenen Konsumenten, die VR noch nicht selbst erlebt haben, zu vermitteln, welche Vorteile die Technologie mit sich bringt; sowie der noch zu wünschen übrig lassende Benutzerkomfort. Sonys PlayStation VR macht da keine Ausnahme: Selbst in der wohl temperierten Umgebung der Penthouse-Suite im Wiener Hotel Topazz, in die Sony zu Präsentationszwecken geladen hatte, wird es unter der Brille und mit den Kopfhörern auf den Ohren recht bald unangenehm warm. Und spätestens nach einer halben Stunde drückt es auf der Nase. Möchte ich so in Zukunft meine Spieleabende verbringen, völlig von der Außenwelt abgeschottet vor mich hin schwitzend?

Davon abgesehen: Womit könnte ich den Abend überhaupt füllen? Einen wirklich langfristig motivierenden und über Stunden fesselnden Titel konnte ich für mich noch nicht ausmachen. Ist VR vorerst also nur etwas für den kurzen Spaß zwischendurch? Die Qualität der angespielten PlayStation-VR-Titel schwankt derzeit stark - wenngleich der Fairness halber seitens Sony darauf hingewiesen werden muss, dass weder Hard- noch Software beim Anspielen final waren.

Kurzes Vergnügen versus langfristiges Erlebnis
Am technisch ausgereiftesten erschien mir noch "EVE: Valkyrie": Der Weltraum-Shooter verfrachtet mich ins Cockpit eines von mehreren zur Auswahl stehenden Raumschiffen und lässt mich inmitten von Asteroidenfeldern und großen Sternenkreuzern teambasierte 360-Grad-Schlachten erleben. Das Spielprinzip ist nicht neu, das Gefühl von Freiheit beim Fliegen dagegen schon. Zudem macht der Titel auch optisch einiges her.

Gleiches gilt für "Until Dawn: Rush of Blood". Der Rail-Shooter schickt Gamer auf eine "Achterbahnfahrt direkt in die Hölle". Bewaffnet mit zwei Move-Controllern, gilt es dabei auf alles zu schießen, was vor die Flinte hüpft. Währenddessen verkrümmt und verschiebt sich der Raum um mich herum immer wieder oder bricht plötzlich weg, sodass ich ins Bodenlose zu fallen scheine. Das Ganze fühlt sich an wie der berühmte Sturz von Alice in den Kaninchenbau - nur dass das Kaninchen in diesem Fall psychopathische Clowns sind…Großartig!

Verstörend geht es auch in "Here They Lie" zur Sache, dass in seiner Machart entfernt an "Silent Hill" erinnert. Die Steuerung - Controller steuert Taschenlampe und damit die Blickrichtung - ist verstörend, die fantastische Welt um mich herum ebenso. Auch hier spielen die Entwickler geschickt mit dem Raum und manipulieren diesen, wodurch der Horror erlebbar wird. Optisch macht der Trip bislang allerdings noch weniger her. Abzuwarten bleibt zudem, wie gut die Entwickler das Dargebotene mit einer Story zu verknüpfen wissen.

Letztere scheint es in "The London Heist" erst gar nicht zu geben, stupides Geballere in einer eher rudimentären Umgebung steht stattdessen im Vordergrund. Als krimineller Beifahrer in einem Fluchtwagen muss ich mittels Move-Controller anrückende Motorräder und andere Fahrzeuge zur Strecke bringen. Das ist nicht anspruchsvoll, aber zumindest spaßig, zumal ich mit meiner virtuellen Umgebung interagieren muss. Denn zum Nachladen muss ich in Handschuhfach & Co. nach neuen Magazinen suchen und diese förmlich mit einer geschickten Handbewegung in die Waffe schieben.

Geschick hätte ich auch für "Headmaster" benötigt, doch leider fehlte mir dieses bei der Kopfball-Simulation völlig. Durch Vorbeugen des Oberkörpers den virtuellen Ball nicht nur zu treffen, sondern auch noch auf eine der Zielscheiben zu befördern, ist eben offenbar kein Kinderspiel. Allzu exakt schien die Steuerung aber auch nicht zu sein, weshalb meine Motivation binnen kurzer Zeit flöten ging.

Ganz und gar zur Untätigkeit verdammt bin ich schließlich in "The Kitchen". Die Capcom-Demo verfrachtet mich in eine Küche des Grauens, in der ich, die virtuellen Hände gefesselt, mit ansehen muss, wie eine geisteskranke Frau mit einem Messer vor mir herumfuchtelt und mir mit ihren blutigen Händen das Gesicht verschmiert. Auch hier gilt: Der Horror wird am eigenen Körper spür- und erlebbar. Abzuwarten bleibt jedoch, wie sich diese Erfahrung in ein echtes Spielerlebnis ummünzen lässt.

Vorläufiges Fazit: Meine Skepsis gegenüber VR konnte Sony vorerst nicht ausräumen - aber bis zum finalen Release von PlayStation VR am 13. Oktober sind es auch noch gut zwei Monate. Überzeugend ist schon jetzt, wie es so manchem Titel gelingt, den Spieler ins Geschehen hineinzuziehen. Ob die Technologie auch langfristig begeistern können wird, bleibt indes fraglich. Entscheidend wird sein, dass Sony zum Start mit qualitativ hochwertigen Titeln aufwartet - denn sind Gamer erst einmal vergrault, dürften sie nur schwer zurückzugewinnen sein. Mit über 40 Millionen verkauften PS4 weltweit, jahrelangem Know-how im Bereich Gaming und zahlreichen namhaften Publishern und Studios im Rücken stehen Sonys Chancen auf Erfolg jedoch so gut wie bei kaum einem anderen VR-Anbieter.

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