Mo, 22. Oktober 2018

Nach Amoklauf

27.07.2016 09:17

Chaos Computer Club warnt vor Darknet-Verteufelung

Nach dem Amoklauf von München hat der Chaos Computer Club davor gewarnt, die anonymen Bereiche des Internets zu verteufeln. "Das Bedrohungsszenario, das von deutschen Behörden gezeichnet wird, ist nicht sehr realistisch", sagte Linus Neumann vom CCC der Deutschen Presse-Agentur.

Tatsächlich habe der Amokläufer für den Kauf der Waffe über das sogenannte Darknet laut Medienberichten Monate gebraucht, sagte Neumann. In der realen Welt wäre dies wahrscheinlich sehr viel schneller gegangen. Der Umfang des Drogen- und Waffenhandels im Darknet sei weitaus geringer als derjenige außerhalb des Internets.

Das Darknet ist ein verborgener Teil des Internets, der nicht über herkömmliche Suchmaschinen zugänglich ist. Durch Weiterleitung über mehrere Knoten im Netz ist der Ursprung von Daten nicht mehr nachzuvollziehen.

Ursprünglich wurde es zum Schutz von Dissidenten entwickelt, die darauf angewiesen sind, anonym zu veröffentlichen und sich informieren zu können. Das gelte heute insbesondere für Menschen in der Türkei, Iran oder Syrien, sagte Neumann: "Hier ist eine Abwägung von Schaden und Nutzen wichtig."

"Nahezu 100 Prozent aller Angebote im Darknet illegal"
Einem Sprecher der für Internetkriminalität zuständigen Generalstaatsanwaltschaft Bamberg zufolge erfordert der Kauf einer Waffe im Darknet mit Ausnahme des Tor-Browsers keine besonderen technischen Voraussetzungen. Die Teilnahme am Darknet sei nicht übermäßig schwierig. Auf speziellen "Marktplätzen", wo sich jeder anmelden könne, würden häufig anonym Drogen oder Waffen gehandelt.

Sicherheit, dass die Ware auch tatsächlich ankomme, gebe es durch die Anonymität nicht. "Diese Unsicherheit nimmt natürlich niemand in Kauf, der eine Ware auch legal erwerben könnte", sagte Huber. "Deshalb sind nahezu 100 Prozent aller Angebote im Darknet illegal." Ansatzpunkt für Fahnder sei unter anderem die reale Zustellung der Waren.

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