Mo, 24. September 2018

Magen wird kleiner

11.12.2015 12:39

Studie: Rothirsche sind im Winter auf FdH-Diät

Rothirsche sind im Winter auf FdH-Diät: Sie fressen nur halb so viel wie im Sommer, selbst wenn ihnen unbegrenzt gutes Futter zur Verfügung steht. Gleichzeitig verkleinern die Tiere ihren Verdauungstrakt und verwerten die aufgenommene Nahrung effizienter. Das zeigte eine im "American Journal of Physiology" veröffentlichte Untersuchung von Wiener Forschern.

In einem Fütterungsversuch haben Wissenschaftler des Instituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien gemeinsam mit deutschen Kollegen 16 Rothirschkühe über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht. Sie überprüften dabei, ob die Tiere ihre Nahrungsaufnahme und -verwertung je nach Jahreszeit unterschiedlich regulieren.

Tatsächlich fraßen die Hirschkühe im Winter täglich nur halb so viel von den unbegrenzt zur Verfügung stehenden, bei den Tieren beliebten Futterpellets. "Offenbar verhindert reduzierter Appetit im Winter, dass Rothirsche zu viel Zeit und Energie für wenig ergiebige Nahrungssuche verwenden", erklärte Institutschef Walter Arnold in einer Aussendung.

Pansen und Leber werden im Winter verkleinert
Die geringere Nahrungsaufnahme ermöglicht gleichzeitig eine beträchtliche Verkleinerung des Verdauungstraktes, was wiederum Energie einspart. "Das Fassungsvermögen des Pansens verkleinerte sich von durchschnittlich 13 auf sieben Liter, das Gewicht des leeren Pansens von 2100 auf 1500 Gramm und das der Leber von 1500 auf 1100 Gramm, so Arnold.

Andere Organe wie Niere, Labmagen, Herz oder Milz zeigten keine signifikanten Veränderungen, ebenso nicht das Körpergewicht. Von Untersuchungen an anderen Wildtierarten wie Gämsen, Steinböcken oder Murmeltieren sowie an Rothirschen aus freier Wildbahn wissen die Wissenschafter jedoch, dass sich praktisch alle Organe des Verdauungstraktes verkleinern. Beim Körpergewicht verlieren frei lebende Hirsche im Winter rund 15 Prozent.

Nährstoffaufnahme des Dünndarms erhöht
Weiters zeigte sich, dass die Kapazität zur Nährstoffaufnahme im Dünndarm im Winter erhöht ist, die Aufnahme von Glukose und Proteinbestandteilen aus dem Nahrungsbrei läuft im Winter schneller ab als im Sommer. Dadurch fanden sich im Kot von Wintertieren - bei vergleichbaren aufgenommenen Mengen - geringere Konzentrationen von Rohprotein als im Kot von Sommertieren.

Offensichtlich wird die wenige und magere Winternahrung von den Tieren maximal ausgebeutet. "Es zählt jede Kalorie, denn die Energiebilanz im Winter ist notorisch negativ und Fettreserven sind nur begrenzt vorhanden", so Arnold. Im Sommer dagegen halten sich die Tiere mit der Verdauung des aufgenommenen Futters nicht lange auf. Sie fressen viel, machen aber auch rasch Platz für neue Nahrung, die im Sommer reichlich vorhanden ist.

Für ihre Untersuchung verwendeten die Forscher weibliche, erwachsene Rothirsche, die im Zuge von Bestandsregulierungen im Forschungsgehege erlegt worden waren.

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