13.05.2006 11:49 |

Flucht-Helfer

Driver: Parallel Lines

Nach den zuletzt eher mäßig erfolgreichen Driver-Spielen präsentiert sich die Serie mit dem nunmehr vierten Teil "Driver: Parallel Lines" nicht nur ausgereifter, sondern auch optisch sehr ansprechend. Held ist diesmal ein gewisser TK, der beste Flucht-Fahrer seiner Zunft.

Wir schreiben das Jahr 1978. TK kommt gerade frisch vom College, trägt lange Haare und Schlaghosen: Voller Ideale, aber ohne Job. Glücklichweise ist da noch sein alter Freund Ray, der Werkstattbesitzer. Der dealt nebenbei nicht nur mit Autos, sondern kennt auch noch ein paar zwielichtige Gestalten aus der Unterwelt. Eine davon ist Slink, der für unseren Helden den ersten Job parat hat.

Aus einer dreckigen Gasse sollen wir für ihn eine parkende Rostmühle holen. Ganz in GTA-Manier, denn dieses Spiel stand eindeutig Pate, machen wir uns zu Fuß auf den Weg durch das detailreich gestaltete New York der 70er Jahre. Ein kleine Minimap weist uns den Weg zum Auto, wir steigen ein, legen ein paar funkige Grooves ins Kasettendeck und fahren zurück zur Werkstatt. Wer nicht so gerne seine Fußsohlen beansprucht, der bedient sich einfach eines der zahlreich am Wegrand parkenden Autos.

In der Werkstatt weist Ray uns dann in die Geheimnisse des Tunens ein: Nicht nur die Optik, sondern auch Leistung, z.B. eine Nitro-Einspritzung, können verbessert werden. Für den dicken Geldbeutel gibt es zudem kugelsichere Scheiben oder Reifen. Ein weiterer Vorteil: Ray kann gegen Bares Strafdelikte aus dem Polizeicomputer entfernen lassen. Haben wir unser erstes Auto nach unseren Wünschen designt, dann dürfen wir es speichern. In jeder Werkstatt, im weiteren Spielverlauf kommen weitere hinzu, lässt sich von jedem Fahrzeugtyp immer nur Exemplar deponieren.

Bevor wir unseren ersten Job als Fahrer bekommen, müssen wir Slink allerdings noch beweisen, wie gut wir wirklich sind. Mit einer vorgegebenen Geschwindigkeit sollen wir durch drei Radarfallen rasen. Genau das ist in "Driver: Parallel Lines" jedoch oftmals nicht möglich: Der Grund: Der Verkehr ist schlichtweg zu dicht geraten und lässt sich auch nicht über die Einstellungen minimieren. Obwohl die Steuerung der einzelnen Fahrzeuge sehr exakt anspricht und die Bremsen präzise arbeiten, reicht es häufig nur zu einer gemütlichen Spazierfahrt, bei der man sich behutsam zwischen Autos hindurchschlängelt.  

Doch nach einigen Versuchen, wobei man leider immer wieder komplett von vorne beginnen muss, ist auch diese Herausforderung gemeistert und Slink erteilt uns Schießtraining. Mittels automatischer Zielvorrichtung ballern wir auf alte Ölfässer und ein herumstehendes Autowrack, anschließend üben wir das Schießen während der Fahrt. Schließlich verbringt TK einen Großteil der Missionen im Auto. Hier werden vom Spieler nun echte Multitasking-Fähigkeiten abverlangt: Neben dem bereits erwähnten Verkehr muss er noch ein Auge auf das Auto vor ihm und die Minimap werfen. Ach ja, zielen und schießen nicht vergessen.

Mit etwas Pech kommt auch noch eine Polizeistreife hinzu. Hier haben sich die Macher jedoch ein intelligentes Feature einfallen lassen: Es gibt sowohl eine Fahndungsstufe für TK als auch für das Auto. Wird es als Fußgänger zu brenzlig, dann steigen wir einfach ungesehen in ein Auto. Und ist unsere Karre stadtbekannt, dann wechseln wir einfach unerkannt den fahrbaren Untersatz. Haben wir Slinks Training absolviert, dann erwartet uns der erste richtige Auftrag: Ray braucht Kohle und wir sollen sie beschaffen. Straßenrennen und Mini-Games, die von uns in New York entdeckt werden wollen, schaffen Abhilfe. Auch die sonstigen Missionen sind sehr gut gelungen: TK muss nicht nur Personen und Waren transportieren, er darf auch Gelder eintreiben oder mit dem Abschleppwagen Autos einsammeln.

Nach etwa der Hälfte des Spiels kommt dann der große Bruch: TK muss hinter Gitter und verbringt dort auch die nächsten 28 Jahre seines Lebens. Diese Zeit hinterlässt nicht nur Spuren in seinem Gesicht, auch New York hat sich gewandelt: Andere Häuser, Autos, Menschen, Aufträge und Musik. Kurzum: Ein neues Spiel, was dem Spieler zusätzliche Abwechslung bietet.

Grafisch präsentiert sich "Driver: Parallel Lines" sehr gut, besonders die Zwischensequenzen glänzen durch beeindruckende und realistische Grafik. Doch auch die normale, dynamisch gestaltete Umgebung wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und hinterlässt den Eindruck einer pulsierenden Stadt. Besonders gelungen ist der fließende Wechsel zwischen Tag und Nacht. Ebenso erwähnenswert ist neben der ausgezeichneten Lokalisierung auch der hervorragende Soundtrack: Jede Menge Funk in den 70ern, Rock und Hip Hop in der Neuzeit.

Fazit: "Driver: Parallel Lines" überzeugt durch gute Grafik, tollen Sound, abwechslungsreiche Missionen, eine interessante Story sowie den gelungenen Wechsel zwischen dem New York von einst und heute. Abzüge gibt es für den dichten Verkehr und die manchmal nicht ganz astreine Fahrphysik.

Plattform: Xbox (getestet), PS2
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 82%

von Sebastian Räuchle

Freitag, 18. Juni 2021
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