09.05.2006 19:42 |

Neuer Metaller-Chef

Foglar übernimmt Nürnbergers Posten

Die Ära Rudolf Nürnberger ist zu Ende. Der Metaller-Chef hat sich am Dienstag nach 18 Jahren im Amt zurückgezogen und das Zepter an Erich Foglar übergeben. Der bisherige Zentralsekretär wurde am ersten gemeinsamen Gewerkschaftstag von Metallern und Agrar-Nahrung-Genuss von 98,3 Prozent der Delegierten gewählt. Überschattet war der Generationenwechsel von der BAWAG-Affäre.

Mit Ausnahme von Arbeiterkammer-Präsident Tumpel, der ja selbst in Sachen BAWAG wegen seiner früheren Aufsichtsratstätigkeit unter koalitionärem Beschuss steht, verabsäumte es keiner der im Austria Center aufgetauchten Redner, nochmals die Affäre aufzunehmen, die Verantwortlichen zu geißeln und einen Neuanfang zu beschwören.

Ruf nach Reformen
Nürnberger appellierte in seiner letzten großen Rede, die er mit tränenerstickter Stimme beendete, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Die Zeiten, wo sich die Diskussionen nur im Kreise gedreht hätten, müssten vorbei sein: "Das können wir uns nicht mehr leisten." Auch sei Tempo vonnöten: "Wir haben keine Sekunde Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken oder uns zu verstecken." Jetzt gelte es rund um die Uhr nachzudenken und zu diskutieren, "wie wir einen neuen ÖGB bauen".

Präsident Hundstorfer war in der Sache durchaus bei Nürnberger, lehnte jedoch explizit ständige öffentliche Denkanstöße ab. Denn so etwas freue in erster Linie die politischen Gegner. Im Gegenzug versprach Hundstorfer, alle über noch zu schaffende Plattformen in den Reformprozess einzubinden. Der Startschuss zur Neustrukturierung ist für den 23. Mai geplant, wo sich unter der Führung der Chefs der verbliebenen zwölf Gewerkschaften eine neue Arbeitsgruppe etabliert.

Hundstorfer verteidigt ÖGB-Spitze
Indirekt nahm sich Hundstorfer mit seinen mahnenden Worten wohl auch Eisenbahner-Chef Haberzettl zur Brust, der in einem "Falter"- Interview das Ja der ÖGB-Spitze zur Offenlegung des Streikfonds kritisiert hatte. Hundstorfer verteidigte eben diese Entscheidung explizit: "Hätten wir rechtsverbindlich die weitere Haftung für 900 Millionen unterschreiben können, wären wir nicht ins Bundeskanzleramt gegangen. Wir können es nicht, wir haben es nicht. Das ist nicht Vergnügen, das ist nicht Spaß, das ist Realität." Haberzettl hörte all das nicht, er war im Gegensatz zu den meisten Spitzengewerkschaftern nicht beim Metaller-Tag erschienen - ebenso wenig übrigens wie Vertreter der Bundesregierung.

Schmerzlose Fusion
Ohne Schmerzen verlief jedenfalls am Dienstag die Fusion der Metaller mit der Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss, die einstimmig abgesegnet wurde. Damit verfügen Foglar und sein Team nunmehr über rund 235.000 Mitglieder, womit die Metaller die Beamten überholen und nach der Privatangestellten-Gewerkschaft zweit größte Teilorganisation des ÖGB sind.

Donnerstag, 17. Juni 2021
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