Fr, 17. August 2018

"Habe keine Wahl"

21.06.2015 15:57

Kirchenmassaker: Täter schrieb Hass-Manifest

Nach dem Massaker in einer afroamerikanischen Kirche der US-Stadt Charleston ermitteln die Behörden nun auch wegen eines rassistischen Manifests des Tatverdächtigen im Internet. Auf einer inzwischen gesperrten Seite findet sich neben Dutzenden Fotos des Todesschützen Dylann Roof auch eine öffentliche Erklärung zu seiner Radikalisierung und seinem Hass auf Schwarze, Juden, Latinos und andere Minderheiten.

Auf der Internetseite breitet der Autor seine Wut und Vorurteile gegen Minderheiten aus. "Ich habe keine Wahl", heißt es in dem Manifest. Niemand habe den Mut etwas zu tun, also müsse er etwas unternehmen, schrieb er weiter. Den Grund für seinen Entschluss, "den Kampf" aufzunehmen, habe der Fall Trayvon Martin geliefert, so Roof in seinem Manifest.

Killer durch Fall Trayvon Martin radikalisiert
Der 17-jährige Schwarze Martin war 2012 von dem Weißen George Zimmermann auf dessen Patrouillengang in Sanford im US-Bundesstaat Florida erschossen worden, nachdem es in der Gemeinde eine Reihe von Einbrüchen gegeben hatte. Der unbewaffnete Jugendliche befand sich auf dem Weg von einem kleinen Einkauf nach Hause. Zimmerman beteuerte vor Gericht, dass es Notwehr gewesen sei. Das Gericht glaubte ihm schließlich und sprach ihn frei. Der Fall sorgte in den USA für großes Aufsehen, da der Verdacht bestand, dass bei der Tat und beim anschließenden Umgang der Polizei mit dem Fall Rassismus im Spiel war.

Wie die "Washington Post" unter Berufung auf Ermittlerkreise schreibt, habe Roof die Webadresse www.lastrhodesian.com im Februar auf seinen Namen und unter der Anschrift seiner Mutter registriert. Dem Bericht zufolge wurde die Seite nur wenige Stunden vor der Tat noch bearbeitet. Ob sie aber auch tatsächlich von Roof betrieben wurde, sei Gegenstand von Ermittlungen, teilten die Polizei in Charleston und die Bundespolizei FBI mit.

Gouverneurin und Bürgermeister fordern Todesstrafe
Wie berichtet, hatte der 21-Jährige aus dem Bundesstaat South Carolina am Mittwoch in einer Methodistenkirche während einer Bibelstunde neun Afroamerikaner erschossen. Er habe rassistische Sprüche von sich gegeben und das Feuer eröffnet, sagte eine Überlebende. Das Justizministerium und das FBI ermitteln wegen des Verdachts auf ein "Hassverbrechen" und auf "heimischen Terrorismus". Die Gouverneurin von South Carolina, die Republikanerin Nikki Haley, sprach sich dafür aus, den Täter mit dem Tode zu bestrafen. Ähnlich äußerte sich auch der Bürgermeister von Charleston, Joseph Riley. Ein erster Gerichtstermin wurde auf den 23. Oktober festgesetzt.

Angehörige der Opfer verzeihen Täter
Am Samstag fand die erste Anhörung des Täters statt. Auch Hinterbliebene der neun Todesopfer waren dabei per Video zugeschaltet und wandten sich direkt an den 21-Jährigen. Allesamt erklärten sie, dem Täter zu verzeihen. Dieser hörte sich die Aussagen mit gesenktem Kopf an und verzog keine einzige Miene.

Wirbel um Konföderierten-Flagge
Unterdessen ist eine heftige politische Debatte rund um die Konföderierten-Flagge ausgebrochen. Dabei handelt es sich um jenes Banner, unter dem die Südstaaten während des Bürgerkriegs in den Jahren 1861 bis 1865 kämpften. Sie setzten sich dabei unter anderem für die Beibehaltung der Sklaverei ein. Nach der Kapitulation der Konföderierten verschwand deren Banner als Symbol für Sklaverei und Unterdrückung weitgehend. Aber die Flagge hängt nach wie vor ausgerechnet vor dem Regierungsgebäude in Columbia, der Hauptstadt South Carolinas. Auch der 21-jährige Attentäter zeigt sich auf zahlreichen Fotos mit der Flagge.

Nun fordern Politiker aus den Reihen der Demokraten und der Republikaner die Entfernung der Flagge. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney etwa schrieb auf Twitter: "Nehmt die Konföderierten-Flagge in South Carolinas Hauptstadt ab. Für viele ist sie ein Symbol rassistischen Hasses. Entfernt sie sofort, um die Opfer von Charleston zu würdigen." Präsident Barack Obama pflichtete Romney auf Twitter bei: "Gutes Argument, Mitt."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.