Während Österreich noch auf den Winter wartet, wird in Galtür bereits auf Schnee gespurt! Dank einer besonderen Methode namens “Snowfarming“ startet im Tiroler Pazaun die Langlaufsaison schon im Herbst. Dafür wird Schnee aus dem Vorjahr über den Sommer gelagert. Ein spektakuläres Projekt mit Vorteilen für Wintersportler, Tourismus und regionale Betriebe.
Schwere Bagger schaufeln tonnenweise Hackschnitzel beiseite und plötzlich schimmert unter der braunen Decke etwas Weißes hervor: Schnee!
Mitten im Herbst, obwohl auf den umliegenden Hängen noch kaum eine Schneeflocke liegt. Im Tiroler Galtür wird der Winter nicht herbeigesehnt. Hier wird er ausgegraben!
„Wir machen das jetzt im zweiten Jahr“, sagt Peter Bartl vom Tourismusverband Paznaun-Ischgl, der das Snowfarming-Projekt koordiniert. Die Idee dahinter: Im Winter wird Schnee technisch erzeugt, zu einem mächtigen Depot zusammengeschoben und im Frühjahr zugedeckt. So übersteht er selbst warme Sommer. Bartl: „Wir haben einen Schwund von lediglich 20 Prozent.“
Wir wollen mit dem Loipenbau neue Zielgruppen für unsere Urlaubsregion Paznaun-Ischgl begeistern.

Peter Bartl, TVB Paznaun-Ischgl
Bild: Hannes Wallner
Rund 10.000 Kubikmeter Schnee wurden zuletzt eingelagert. Zum Schutz vor der Sonne wird der Schnee mit 2000 Kubikmeter Hackschnitzel zugedeckt. „Die Hackschnitzel transportieren wir im Herbst zu Heizwerken in der Region“, erklärt der Galtürer Erdbau-Unternehmer und ehemalige Bagger-Vize-Europameister David Raggl. Für das Snowfarming nutzt man laut Bartl bestehende Leitungen des öffentlichen Wassernetzes, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Der Touristiker spricht von einem ressourcenschonenden Kreislauf.
Arbeit, wenn andere pausieren
Doch das Projekt hat noch einen weiteren Vorteil: Es bringt den heimischen Unternehmen Aufträge in einer Zeit, in der auf vielen Baustellen bereits die Winterpause naht.
Für Baggerfahrer wie David und die Traktorfahrer bedeutet der frühe Loipenbau zusätzliche Arbeit in der sonst ruhigeren Übergangszeit. So profitiert nicht nur der Tourismus, sondern auch die regionale Wirtschaft.
Rund 30 Kubikmeter Schnee passen auf den Abschiebewagen, mit dem im Herbst auch der Mais von den Feldern gebracht wird.

Fabian Wondra, Traktor- und Lkw-Fahrer
Bild: Hannes Wallner
Fabian Wondra sitzt hinter dem Steuer eines Traktors samt riesigen Abschiebeanhänger hinten dran. Ladung für Ladung transportiert er den Schnee zur Loipe im Vermunttal. Dort übernimmt Helmut Walter: Mit seiner Pistenraupe verteilt, verdichtet und präpariert er die weiße Pracht.
Ab heute sollen die Ski gleiten
„Vier Kilometer Loipe werden bis zum Saisonstart fertig sein“, sagt Walter. Eine ideale Strecke für klassischen Langlauf und Skating.
Die Lage des Vermunttals spielt den Loipenbauern in die Karten: Auf rund 1700 bis 1800 Metern, eingerahmt von hohen Bergen, erreicht die Sonne das Tal im Spätherbst nur noch wenige Stunden. Das hilft, den kostbaren Schnee zu erhalten.
Und die ersten Gäste stehen schon in den Startlöchern. Österreichische Nachwuchskader und Trainingsgruppen aus dem In- und Ausland wollen hier ihre ersten Kilometer sammeln, lange bevor andernorts die Loipen gespurt werden können.
Galtür und Ischgl, bisher vor allem als Skigebiete bekannt, möchten damit auch Langläufer und Winterwanderer ansprechen. „Die Nachfrage nach einem frühen Saisonstart ist bei den Langläufern sehr groß“, so Bartl im Gespräch mit der „Bergkrone“.
Und auch wenn das weiße Band in der noch herbstlichen Landschaft für manchen ein kurioser Anblick sein mag, steckt dahinter weit mehr als nur der Wunsch nach einem frühen Winter. Es geht um Arbeitsplätze, Wertschöpfung und die Zukunft des Tourismus sowie das Leben in Österreichs ländlichen Regionen.
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