Mo, 25. Juni 2018

Wirbel in Tschechien

19.01.2015 14:24

Zeman empört mit Aussagen über behinderte Kinder

Milos Zeman hat wieder einmal sein Talent für Tritte ins Fettnäpfchen unter Beweis gestellt. Diesmal sorgte der tschechische Präsident mit einer kontroversen Aussage über die Integration behinderter Schüler in regulären Schulklassen für Aufsehen. Gemeinsamer Unterricht sei ein "Unglück für beide", so Zeman beim Besuch eines Rehabilitationszentrums in Ostböhmen.

"Das ist weder Rassismus noch die Präferenz einer ethnischen Gruppe. Die Kinder sind viel glücklicher, wenn sie in einer gleichwertigen Gruppe sind. Die Inklusion gefällt mir gar nicht, und ich bin dagegen", erklärte Zeman.

Heftige Kritik von Experten und Politikern
Regierungschef Bohuslav Sobotka reagierte mit einer schriftlichen Stellungnahme, in der er die Haltung Zemans entschieden zurückwies und sich klar für eine Inklusion von Kindern mit Behinderung im Schulwesen aussprach. Ein moderner, anständiger Staat müsste die bestmöglichen Bedingungen für die Integration von Kindern mit Behinderung in die allgemeine Ausbildung schaffen, so Sobotka.

Kritik kam auch von Unterrichtsminister Marcel Chladek und dem Minister für Menschenrechte, Jiri Dienstbier, der die Haltung Zemans als "ein bisschen mittelalterlich" bezeichnete. "Der Herr Präsident ist ein bekannter Eliten-Befürworter", so Dienstbier.

Die Ombudsfrau für Menschenrechte, Anna Sabatova, bezeichnete die Aussagen Zemans als "unermesslich beleidigende Geste", weil alle Kinder das Recht auf eine qualitative Ausbildung hätten. Zemans Äußerungen widersprächen außerdem der UNO-Konvention über Behindertenrechte. Der Vorsitzende des staatlichen Behindertenbeirats, Vaclav Krasa, meinte, "jede Segregation führt zu pathologischen Erscheinungen".

Zemans Sprecher relativierte Aussagen
Angesichts der massiven Kritik versuchte Zemans Sprecher Jiri Ovcacek die Wogen zu glätten, indem er versicherte, Zeman habe auf keinen Fall Menschen mit Behinderung verletzen wollen, "wie es ihm unterstellt wird". Zeman habe nur auf Situationen hinweisen wollen, wo der Unterricht aller Schüler in der Klasse leide und wo es auch Schikane gebe. Außerdem wollte Zeman mit seiner Auffassung "zu der Debatte über das sehr wichtige Thema der Inklusion im tschechischen Schulwesen" beitragen.

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