Nicht immer Sarg

„Friedhöfe sterben aus“: Alternativen im Trend

Österreich
01.11.2026 07:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Das Totengedenken, besonders zu Allerheiligen und Allerseelen, findet für viele Menschen nicht mehr ausschließlich auf dem Friedhof statt. Ob in der Natur oder im digitalen Raum, die Möglichkeiten, sich an Verstorbene zu erinnern, gehen längst weit über das Grab hinaus. 

Für den Gründer und Gesellschafter des Bestattungsunternehmens „Himmelblau“, Georg Haas, ist die Lage dramatisch: „Die Friedhöfe sterben aus.“ Er beobachte einen starken Rückgang aufgrund der hohen Grabnutzungsentgelte und der aktuellen Inflationskrise.

„Man stirbt nur einmal im Leben, aber es kostet dann trotzdem zwischen fünf- und zehntausend Euro. Viele Menschen sagen, da geht mir finanziell die Luft aus.“ Der Bestatter erklärt sich den Rückgang auch mit dem Wunsch nach geografischer Unabhängigkeit. Für viele Angehörige, die nicht mehr in ihrer Heimat leben, gewinnen demnach ortsunabhängige Formen des Gedenkens an Bedeutung.

  • In der Bundeshauptstadt nehmen klassische Sargbeisetzungen ab, während Feuerbestattungen immer beliebter werden. Innerhalb von zwölf Jahren hat sich das Verhältnis in Wien umgedreht. Waren 2013 Erdbestattungen mit 62 Prozent noch deutlich häufiger gefragt als Feuerbestattungen, lag letztere 2025 mit 60 Prozent vorn.
  • Bei den Wiener Friedhöfen ist ebenfalls eine Verschiebung hin zu alternativen Beisetzungsformen zu beobachten. Erdbestattungen machen mit 59 Prozent zwar nach wie vor den größeren Anteil aus, Urnenbeisetzungen kommen mittlerweile aber bereits auf 41 Prozent.
Naturgräber und digitale Trauerangebote werden immer beliebter.
Naturgräber und digitale Trauerangebote werden immer beliebter.(Bild: APA/BARBARA GINDL)

Naturgräber im Aufblühen
Von Wald-, Baum- und Strauchgräbern bis hin zu Weinreben- und Rosenstockbestattung, die Auswahl ist bereits vielfältig und das Angebot an Naturgräbern wächst stetig. Bei Naturgräbern sieht die Bestattungsbranche großes Entwicklungspotenzial. Bei den Wiener Friedhöfen sind rund elf Prozent aller Urnenbeisetzungen Naturgräber. Viele Menschen wollen ihren Angehörigen die Grabpflege ersparen und nach dem Tod wieder Teil des natürlichen Kreislaufs werden.

Immer mehr Zulauf zu Digitalem Grab
Die Digitalisierung macht auch vor der Bestattungsbranche nicht Halt. Seit 2020 gehört bei den Friedhöfen Wien zu jeder der rund 550.000 Grabstellen auch ein Digitales Grab. Neben grundlegenden Serviceangeboten wie Nutzungsdauerverlängerung oder Adressänderungen dient das Angebot auch als ein virtueller Erinnerungsort. In „Gedenkräumen“ können Angehörige Kerzen entzünden oder ein Foto ihrer Grabstelle anfertigen. Aktuell nutzen rund 24.000 Menschen den digitalen Service.

Faber als KI-Trauerredner
Auch in Richtung künstliche Intelligenz entwickelt sich die Trauerkultur weiter. Vor kurzem hat das steirische Start-up „Lebensstimmen“ seine neuen KI-Trauerreden präsentiert. Dabei können aus Fotos individualisierte Video-Reden für das eigene Begräbnis erstellt werden. Selbst Wiens Dompfarrer Toni Faber wird als vorgefertigter KI-Trauerredner angeboten. Mit einer eigenen Grußbotschaft könnten Trauerfeiern in Zukunft noch persönlicher gestaltet werden.

Tierfriedhof Wien
Tierfriedhof Wien(Bild: Martin A. Jöchl)

Auch „Mensch-Tier-Grab“ beliebt
Wer sich über den Tod hinaus von seinen Vierbeinern nicht trennen will, kann sich für ein „Mensch-Tier-Grab“ entscheiden. Seit 2018 befinden sich am Friedhof Feuerhalle Simmering 64 Grabstellen, die es ermöglichen, gemeinsam mit seinem Haustier bestattet zu werden. Der Hund ist auch am Friedhof Feuerhalle Simmering der beste Freund des Menschen. 78 Prozent der Beisetzungen entfallen auf die bellenden Vierbeiner, 17 Prozent auf Katzen und fünf Prozent auf Hamster.

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