Do, 18. Oktober 2018

Drahtiges SUVpé

04.01.2015 23:00

BMW X6: Sportlicher Wal mit Antilopenauftritt

Nach dem neuen X5 ist nun auch dessen "Coupé"-Ableger BMW X6 auf der Straße – und bei dem ist den Münchnern ein echtes Kunststück gelungen: Er ist zwar noch immer ein Riesentrumm Auto, wirkt aber unvergleichlich schlanker und dynamischer als die erste Generation des "SUVpés", wie ich ihn gerne nenne. Sportlicher stellt in diesem Fahrzeugsegment niemand gut zwei Tonnen dar. Schon gar nicht Mercedes mit dem direkten Konkurrenten, der 2015 kommt.

Trotz seiner Coupé-Linie hatte der BMW X6 optisch immer etwas Schwerfälliges, das an einen Wal erinnerte. Diesen Eindruck haben ihm die Designer mit dynamischen Linien und intelligentem Schwung aus Gesicht und Körper geschnitten, sodass er nun fast schon drahtig wirkt. Ich schaue mir den Neuen immer wieder an und frage mich, wie sie das gemacht haben.

Geschrumpft haben sie ich jedenfalls nicht, er ist jetzt bei fast identer Höhe sogar 2 cm länger und 1 cm breiter. Mein Testwagen, ein xDrive 30d, wiegt mit 2.065 kg (DIN-Leergewicht) 10 kg weniger als früher. Und er bietet mehr Platz. Wo ich früher auf dem Rücksitz den Kopf einziehen musste, kann ich jetzt relativ entspannt sitzen. Der hintere Türausschnitt ist allerdings noch immer ungewöhnlich klein. Unpraktisch ist das stylische Trittbrett (Sonderausstattung), an dem man sich beim Aussteigen fast unweigerlich die Hose schmutzig macht, wenn es nass ist. Mit bis zu 1.525 Liter fasst der Kofferraum 75 Liter mehr, wobei das Standard-Fassungsvermögen mit 580 Litern auf dem Niveau des Vorgängers (570 Liter) liegt.

Die wunderbare Welt der Schwerkraft
Beim Fahren merkt man das Hochbeinige und Hochgewichtige, allerdings nur so lange, bis man den Fahrerlebnisschalter auf Sport stellt und die ganze Phalanx der (optionalen) Fahrwerkselektronik arbeitet. Dann zieht der X6 praktisch ohne Seitenneigung derart durch schnelle Wechselkurven, dass es nur als erstaunlich zu bezeichnen ist. Die Schwerkraft wird natürlich weder durch Dynamic Drive noch durch die adaptive Hinterachsluftfederung aufgehoben, man muss sich also bewusst machen, dass hier beim Bremsen und Einlenken nicht nur das Gewicht eines Kompaktwagens wirkt. Versäumt man das, werden die Augen bei der ersten Vollbremsung sehr schnell sehr groß. Nicht ganz auf dem hohen Präzisionsniveau des Fahrwerks ist die recht indirekte Lenkung.

Sportlich sind auch die Fahrleistungen. Der um 13 auf 258 PS erstarkte Dreiliter-Turbodiesel-Sechszylinder wuchtet den X6 30d in 6,7 Sekunden von 0 auf Tempo 100, also nur zwei Zehntel langsamer als der alte 40d (mit 306 PS). Auf der anderen Seite sank der Normverbrauch massiv auf 6,0 l/100 km. In der Praxis wurden bei mir daraus durchschnittlich 10,2 Liter auf 100 Kilometer. Obwohl es sich bei dem Motor um die Einstiegsvariante handelt, braucht es schlichtweg nicht mehr. Ab 1.500/min. lassen sich 560 Nm abrufen, genug Kraft gibt es also immer und überall, und sie wird serienmäßig über eine Achtgangautomatik an alle vier Räder übertragen.

Mehr Ausstattung, bessere Assistenten
Auch wenn der neue BMW X6 Bi-Xenon-Scheinwerfern, 19 Zoll-Alus, 2-Zonen-Klimaautomatik, Driving Assistant, automatischer Heckklappenbetätigung etc. schon sehr gut ausgestattet ist, empfiehlt es sich doch auch weiterhin, im Basar der Sonderausstattungen kräftig zuzulangen. Der Preis des Testwagens summiert sich dadurch allerdings auch auf 108.000 Euro – bei einem Basispreis von 74.500 Euro. LED-Scheinwerfer und Co. gehören irgendwie dazu, das Head-up-Display ist ein echter Gewinn, ohne das Top-Navi ist der X6 irgendwie madig und das Kamerapaket mit Surround View ist ein Sicherheitsplus z.B. beim Herausfahren aus unübersichtlichen Hauseinfahrten. Ohne Rückfahrkamera ist der X6 sowieso nicht zu rangieren, weil er ähnlich übersichtlich ist wie ein 40-Tonner.

Der adaptive Tempomat fährt nun im Stop-and-Go-Verkehr auch dann selbsttätig an, wenn man länger als zwei, drei Sekunden anhalten muss. Ärgerlich ist hingegen der Tempolimitassistent, er zeigt zu oft etwas Falsches an. Es wird Zeit, dass BMW hier endlich nachbessert.

Bereits die erste Generation des BMW X6 war mit 260.000 Exemplaren in sechs Jahren ein (auch für den Hersteller überraschender) Top-Erfolg, sodass die Konkurrenz demnächst ähnliche Fahrzeuge auf den Markt bringt, Mercedes bereits 2015, Porsche voraussichtlich 2018, Audi 2016. Die Latte liegt allerdings richtig hoch.

Warum?

  • Drahtig und gestrafft, ohne an Präsenz zu verlieren
  • Erstaunliche fahrdynamische Möglichkeiten

Warum nicht?

  • Angesichts des schieren Gewichts zu hinterfragende Sinnhaftigkeit

Oder vielleicht …

… den klassischen SUV-Bruder BMW X5. Oder gleich den M mit 575 PS. Oder den TriTurbo-Diesel M 50d.

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