Tirols Landeshauptmann Anton Mattle möchte in seiner Funktion als Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz eine bundesweite Naturkatastrophenversicherung einführen. Dafür hat der ÖVP-Landeschef auch bereits ein Konzept entwickelt – und die statistische Notwendigkeit erhoben.
Als Bürgermeister und Landeshauptmann einer Alpenregion ist Anton Mattle krisenerprobt – auch bzw. erst recht, was Naturkatastrophen betrifft. Und als Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz ist er eben deshalb jetzt auch dahinter, bei diesem Thema Verbesserungen aus Tirol für ganz Österreich zu erwirken – und entwickelte ein Konzept für eine bundesweite Naturkatastrophenversicherung.
Das „Mattle-Modell“ sieht vor, dass die gesetzlich verpflichtende Feuerversicherung um eine Naturkatastrophendeckung ergänzt wird. Diese Deckung soll automatisch für alle gelten, die versichert sind. Der Staat und private Versicherer teilen sich Risiko, Finanzierung und Schadensregulierung, um geringe, leistbare Prämien zu ermöglichen und Schutz zu gewährleisten. Die Versicherer zahlen Prämien in einen Pool ein und bekommen im Schadensfall einen Anteil daraus ersetzt. Der Bund solle als Rückversicherer für den Pool auftreten.
Mit kleinen Beträgen von vielen entsteht großer Schutz für alle – denn Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Anton Mattle
Mattle: „Krisen besser verhindern“
„Wenn nach einem Naturereignis die Sirenen verstummen, beginnt für viele Betroffenen erst die finanzielle Katastrophe. Ich habe angekündigt, mich im Rahmen des Tiroler LH-Vorsitzes für einen nachhaltigen Schutz vor Hochwasser, Murenereignissen und anderen Unwetterkatastrophen einzusetzen. Nun lege ich ein Modell vor, um die Menschen und deren Eigentum vor den finanziellen Folgen von Naturgefahren zu schützen. Mit einer Partnerschaft zwischen der öffentlichen Hand, privaten Versicherungsanbietern und den Versicherten selbst können wir vorsorgen. Während wir die Bevölkerung vor Naturgefahren versichern, können mehr Mittel in den Hochwasser- und Naturgefahrenschutz investiert werden, um Krisen und Katastrophen besser zu verhindern“, weiß der Landeschef.
Naturkatastrophen nehmen an Häufigkeit und Intensität zu. Als Folge des Klimawandels stieg in Österreich die Anzahl potenzieller Unwettertage und der Tage mit Starkniederschlägen stark an. In den vergangenen 60 Jahren verringerte sich die Anzahl der Tage mit schwachen und moderaten Niederschlägen, während die Anzahl der Tage sehr starken und extremen Niederschläge zunahm. In den vergangenen 25 Jahren gab es vier große Hochwasserereignisse mit gravierenden Schäden in Österreich: 2002, 2005, 2013 und zuletzt im September 2024, als das Niederösterreich enorm betroffen war. Tirol hatte von 2019 bis 2023 Schäden in der Höhe von insgesamt 315 Mio. Euro. Schäden am Vermögen Privater werden teilweise durch Beihilfen der Länder gedeckt. Oftmals stoßen staatliche Beihilfen aber an ihre Grenzen.
Der Bedarf nach einer solchen Regelung scheint auch statistisch erwiesen zu sein. Laut Versicherungen ist Österreich weltweit gemessen am Bruttoinlandsprodukt finanziell am viertstärksten betroffen von Naturkatastrophen. Laut der Europäischen Kommission weist Österreich die größte Versicherungsschutz-Lücke aller EU-Mitgliedstaaten in diesem Bereich auf. In Ländern wie der Schweiz, Frankreich oder Belgien gibt es verpflichtende Versicherungen gegen Hochwasser.
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