Stein für Stein entsteht in den Weingärten von Andreas Schafler aus Traiskirchen (Niederösterreich) ein kleines Wunder der Natur. Die „Krone“ machte mit ihm einen Spaziergang durch die Rieden.
Zwischen den Reben von Traiskirchen wächst eine Mauer, die nicht nur Weinberge stützt, sondern auch Leben beherbergt. Eidechsen huschen durch die Ritzen, Wildbienen finden Unterschlupf – und mit etwas Glück lässt sich sogar eine Smaragdeidechse blicken. Andreas Schafler hat aus alten Steinen eine neue Heimat für die Natur geschaffen.
„Früher haben wir die großen Steine, die beim Arbeiten im Weingarten herausgekommen sind, einfach achtlos zur Seite gelegt. Ich wollte etwas Sinnvolleres daraus machen’ etwas, damit ich der Natur etwas zurück geben kann’ schildert der 59-jährige Winzer und Bewahret der Schöpfung zwischen und in den Rieden.
Altes Handwerk neu entdeckt
Schafler stammt aus einer Winzerfamilie, die seit 1824 und mittlerweile in siebter Generation Weinbau betreibt. Innovation liegt dabei offenbar in den Genen. Schon ein Vorfahre reiste Ende des 19. Jahrhunderts nach Frankreich, um neue Methoden gegen die damals gefürchtete Reblaus kennenzulernen.
Auch Schafler selbst blieb offen für Neues. Nach Wein- und Obstbauschule in Klosterneuburg und Tourismusschule übernahm er den elterlichen Betrieb bereits mit 26 Jahren. Heute gehören neben Weinbau und Heurigenbetrieb auch Veranstaltungen, eine Weinlounge und der beliebte Ausschank mitten im Weingarten zum vielfältigen Betrieb.
Seine besondere Leidenschaft aber sind die Trockensteinmauern. „In der Thermenregion hat es diese Mauern früher schon gegeben. Vieles ist heute überwachsen, und mit der Zeit ist auch das Wissen darüber verloren gegangen.“
Also belegte Schafler einen Kurs an der Weinbauschule Krems und begann selbst zu mauern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Eine seiner Mauern misst rund 400 Laufmeter.
Steine als Lebensraum
Das Geheimnis liegt im Detail. Die Steine werden ohne Mörtel so aufeinandergeschichtet und miteinander verkeilt, dass die Mauer stabil bleibt und gleichzeitig wasserdurchlässig ist.
„Es ist eine richtige Kunst. Die Mauer muss vorne schön aussehen, aber gleichzeitig muss jeder Stein so liegen, dass sich alles gegenseitig hält“, erklärt der Winzer.
Für die Natur sind die Mauern ein Paradies. Kleine Hohlräume werden zu Verstecken und Sonnenplätzen, die Steine speichern Wärme. Schafler freut sich besonders, wenn sich die heimische Smaragdeidechse einstellt.
Das Baumaterial dafür sucht er inzwischen sogar bei alten Abrisshäusern. Verwertbare Steine lässt er beiseitelegen, sein eigenes Steinlager wächst stetig. „Warum soll man gute Steine wegwerfen, wenn man daraus wieder etwas Wertvolles machen kann?“
Damit das Wissen nicht verloren geht
Schafler will die alte Bauweise nicht nur selbst pflegen, sondern weitergeben. Gemeinsam mit der Weinbauschule Krems und dem Biosphärenpark Wienerwald organisiert er Seminare, unterstützt Bauwillige und vermittelt geeignete Steine.
Für sein Engagement rund um die Trockensteinmauern wurde er kürzlich vom Biosphärenpark Wienerwald ausgezeichnet.
Und Schafler denkt bereits weiter: Sein jüngstes Projekt ist ein Bau-Set aus Steinen und Holzrahmen. Damit soll jeder im eigenen Garten einen kleinen Sonnenplatz für Eidechsen und Wildbienen schaffen können.
„Mir geht es darum, dass diese alte Technik wieder mehr Menschen kennenlernen – und dass aus etwas, das früher als Abfall gesehen wurde, wieder Lebensraum entsteht.“
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