Wichtig fürs System:

Senioren fordern Ehrlichkeit bei Pensionsdebatte

Tirol
20.09.2026 15:00

Sowohl Seniorenbund-Obfrau Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) als auch Pensionistenverband-Chef Herbert Striegl (SPÖ) fordern bei der Debatte um Pensionen Ehrlichkeit und Sachlichkeit. Man dürfe nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!

Seit der Erstellung des Doppelbudgets für die Jahre 2027 und 2028 ist das Pensionsthema wieder in den Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen und medialer Berichterstattungen gerückt.

Der Landesobfrau des Tiroler Seniorenbundes, Patrizia Zoller-Frischauf, ist es dabei besonders wichtig, dass man hier bei Kostenwahrheiten bleibt und nicht Äpfel mit Birnen vergleicht. „Erstens läuft momentan noch die Pensionsreform von Kanzler Schüssel, in der die Durchrechnungszeit von den besten 15 Jahren auf die ganze Erwerbszeit erhöht wurde und das Antrittsalter bei Frauen bis 2033 an das der Männer stufenweise angeglichen wird. Ich fordere daher mehr Pragmatismus und weniger Ideologie, es braucht zukunftsfähige Ideen“, sagt Zoller-Frischauf auf „Krone“-Nachfrage.

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Der Staat bekommt mehr als neun Milliarden Euro von den Pensionsempfängern an Lohnsteuern, weitere 3,6 Milliarden Euro fließen über die Krankenversicherung.“

Seniorenbund-Obfrau Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP)

Wer nämlich glaube, einfach mit der Erhöhung des Pensionsalters das Problem lösen zu können, habe sich nicht mit der Materie beschäftigt. „Zuerst muss es gelingen, ältere Menschen überhaupt in den Unternehmen zu halten. Zudem wird bei den Pensionen nie von den wahren Kosten gesprochen. Der Staat bekommt nämlich mehr als neun Milliarden Euro von den Pensionsempfängern an Lohnsteuern, weitere 3,6 Milliarden Euro bezahlen Seniorinnen und Senioren an die Krankenversicherung – davon spricht keiner“, zeigt die Seniorenbund-Chefin auf.

Nicht vergessen werden darf auch der Privatkonsum der Pensionisten in Österreich, der nach Schätzungen der Statistik Austria rund 60 Milliarden Euro beträgt. „Was viele nicht wissen – da es auch oft bewusst verschwiegen wird – ist, dass vom gesamten Pensionstopf rund ein Viertel der Ausgaben rein gar nichts mit der Pension zu tun hat. So werden unter anderem aus dem Pensionstopf Mittel für die Ausgleichszulage oder Rehabilitationskosten der aktiv Berufstätigen verwendet“, sagt Zoller-Frischauf auf.

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Eine ehrliche Pensionsdebatte beginnt nicht bei der Frage, wie wir Menschen länger im System halten.

Pensionistenverband-Vorsitzender Herbert Striegl (SPÖ)

Für den Tiroler Seniorenbund ist zudem glasklar, dass bei einer neuerlichen Reform die Pensionen abhängig von den Arbeitsjahren gestaffelt werden müssen, da dies gerechter ist.

Ein Bonus-Malus-System für die Unternehmen
Ähnlich sieht das natürlich auch der Landesobmann der SPÖ-Pensionistenverbandes Tirol, Herbert Striegl. „Eine ehrliche Pensionsdebatte beginnt nicht bei der Frage, wie wir Menschen länger im System halten. Sie beginnt bei der Frage, ob sie mit 55, 60 oder 63 Jahren überhaupt noch einen Arbeitsplatz haben und diesen auch gesund ausüben können“, sagt Striegl. „Wer länger arbeiten soll, braucht auch einen Arbeitsplatz.“ Tirol zeigt, wie sehr Betriebe auf ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angewiesen sind. Ende Mai 2026 waren 61.877 Tirolerinnen und Tiroler im Alter von 55 bis 64 Jahren unselbstständig beschäftigt. Ihr Anteil an allen Beschäftigten ist innerhalb von zehn Jahren von 11,1 auf 17,6 Prozent gestiegen. „Ältere Beschäftigte sind für unsere Betriebe längst unverzichtbar.

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Eine nachhaltige Pensionspolitik braucht gute Arbeitsplätze bis zur Pension, ein verlässliches Pensionssystem und eine gerechte Finanzierung.

Pensionistenverband-Vorsitzender Herbert Striegl (SPÖ)

Dennoch erfahren viele Menschen ab 55, dass ihr Alter nach einem Jobverlust plötzlich als Nachteil gilt“, so Striegl. Der Pensionistenverband Tirol fordert daher ein wirksames Bonus-Malus-System für altersgerechte Personalpolitik. Betriebe, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einstellen, weiterbeschäftigen und qualifizieren, sollen gezielt unterstützt werden. Unternehmen, die ältere Menschen bei Einstellungen und Personalentwicklung dauerhaft zu wenig berücksichtigen, sollen stärker in die Verantwortung genommen werden. „Eine nachhaltige Pensionspolitik braucht gute Arbeitsplätze bis zur Pension, ein verlässliches Pensionssystem und eine gerechte Finanzierung“, fasst Herbert Striegl abschließend zusammen.

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