Gut 150.000 Tonnen zusätzlich an Futter werden ob der Dürre gebraucht – eine Katastrophe für viele steirische Bauern. Der Ausblick auf die nahe Zukunft ist erschreckend.
Mit dem Wort Katastrophe ist man manchmal schnell zur Hand – heuer ist es aber tatsächlich angebracht. Denn der Sommer mit der extremen Hitze und Trockenheit hat dermaßen Auswirkungen auf die Futtersituation und unsere Landwirtschaft, dass viele Bauern schlicht nicht mehr weiter wissen.
„Jeder Industrielle hätte an unserer Stelle jetzt zugesperrt“, sagt Landwirt Christian Haberl aus St. Michael/O. Er bewirtschaftet einen Betrieb mit 100 Rindern. Und hatte heuer höchste Mühe und finanziellen Aufwand, um genug Futter zumindest bis nächsten Mai aufzutreiben.
Er rechnet vor: „Sonst kriege ich aus 60 Hektar circa 1600 Siloballen im Jahr heraus. Heuer waren es 400!“ Zukäufe und Extrakosten würden sich in einer Höhe niederschlagen, „dass sich ein schönes Auto“ ausgegangen wäre: 35.000 Euro!
Was hinzukommt: „Dass mir im Monat 6000 Euro Milchgeld fehlen. Weil die Preise gesenkt wurden – bei höheren Produktionskosten.“ Er fürchtet: „Es werden viele Bauern aufhören.“
„Der Ertrag war eine Katastrophe“
Dass Feuer am Dach ist, weiß auch Kollege Alfred Rainer, der in St. Peter-Freienstein 125 Milchkühe und Rinder hält. „Der Ertrag war eine Katastrophe, ich werde Futter im Wert von 40.000 Euro zukaufen müssen.“ Zusatz: „Wenn es überhaupt zu kriegen ist.“ Und die Preise bewältigbar sind: „Im Lagerhaus ist die Tonne Heu mit 400 Euro ausgelobt – sonst kostet die 250.“ Er hört zudem aus seinem Umfeld, dass die Bauern in der Not „schlachten, schlachten, schlachten. Ein Trauerspiel.“
Eines, das er weder mitmachen kann noch will, „mir fehlen die Kuh oder das Kalb dann ja im nächsten Jahr, somit die Erwerbsgrundlage. Wenn ich in der Lage kommen würde, bricht mir das Herz.“ Er ist sicher, dass es so nicht weitergehen kann, „wir brauchen Lösungen. Und zwar nicht über Förderungen, sondern ehrliche Preisanpassungen.“ Sonst sehe unsere Landwirtschaftssituation und die ganze Landschaft ohne Bauern ziemlich trist aus.
Die Landwirtschaftskammer betont, dass die Futtermittelbörsen der landesweit 14 Maschinenringe heuer auf Hochtouren laufen und dichte Netzwerke zwischen Anbieter und Käufer knüpfen. „Unsere Vermittlungsarbeit übertrifft die vergangenen Jahre bezogen auf Einsatz und Mengen um ein Vielfaches“, betont Börsen-Logistiker Sepp Wumbauer. Insgesamt würden dürrebedingt zusätzlich 150.000 (!) Tonnen Futter in der Steiermark gebraucht, ein großer Teil würde laut Bauernbund angeblich schon abgedeckt sein. Bislang seien 50.000 Tonnen an Futter vermittelt worden. Die Aktion dauert an. Lösungsansatz: Aus Körnermais, der im Oktober geerntet werden hätte sollen, jetzt schon Maissilage für Futter zu machen.
Kritik vom Unabhängigen Bauernverband
Zu wenig an Bemühung ortet dabei der UBV (Unabhängiger Bauernverband) unter Rudi Gutjahr, der jetzt selbst von Bauer zu Bauer aktiv vermittelt: „Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie soviel telefoniert wie jetzt“, sagt Gutjahr.
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