Seit 40 Jahren ist der Wilhelmsburger Minigolfplatz ihr zweites Zuhause. Mit 82 Jahren steht Monika „Monschi“ Bosch noch immer regelmäßig auf der Anlage!
Sie wischt nach dem Regen die Bahnen trocken, begrüßt ihre Gäste mit einem Lächeln – und hat für jeden ein offenes Ohr. Eine berührende Geschichte über eine Frau, die längst selbst zur Institution geworden ist. Wenn der Minigolfplatz in Wilhelmsburg um 13 Uhr öffnet, beginnt für Monika „Monschi“ Bosch ein ganz normaler Tag. Das tut sie seit mittlerweile 40 Jahren. Was einst begann, als ihre Kinder erwachsen waren und nicht mehr zu Hause lebten, ist für die heute 82-Jährige längst mehr als Arbeit: Es ist ihre Berufung.
„Der Minigolfplatz ist für meine Mama längst mehr als nur ein Arbeitsplatz. Er ist ihr zweites Zuhause – und die Menschen, die hierherkommen, gehören inzwischen fast zur Familie“, erzählt ihr Sohn Martin Posch.
Wo aus Gästen Freunde werden
Wer zu „Monschi“ kommt, kommt nicht nur wegen der 18 Bahnen. Viele Gäste kommen auch zum Plaudern, um die neuesten Geschichten aus Wilhelmsburg zu erfahren, mit der Hausherrin eine Runde Schnapsen zu spielen oder ihre Kuchenkreationen zu verkosten. Rezepte werden getauscht, Erinnerungen erzählt – und angeblich hat schon so manches kleine „Likörchen“ aus den Früchten des hauseigenen Weichselbaums die Runde versüßt.
Wenn die Minigolf-Oma einmal nicht pünktlich aufsperrt, sorgt das sofort für Aufregung. Dann läutet ihr Handy. Nicht etwa, weil sich eine große Gruppe ankündigt, sondern weil jemand aus der Minigolfplatz-Familie wissen möchte, ob alles in Ordnung ist. Meist hat sich dann nur ihr täglicher Besuch bei ihrem Mann im Pflegeheim etwas länger hingezogen.
„Diese Fürsorge ihrer Gäste berührt uns immer wieder. Mama hat in all den Jahren so viele Menschen kennengelernt und begleitet – da ist ein echtes Netzwerk der Herzlichkeit entstanden“, sagt Martin Posch.
Mit Herz und Wasserwaage
Früher wurde auf den Wilhelmsburger Bahnen sogar auf hohem Niveau gespielt. Professionelle Turnierspieler bewältigten die 18 Bahnen mitunter mit nur 18 Schlägen. Außerdem überprüften sie die Anlage mit der Wasserwaage, damit auch kleinste Unebenheiten den Wettbewerb nicht beeinflussten. Diese Zeiten sind zwar vorbei, doch eines ist geblieben: Der Platz an der B20 wird bis heute liebevoll gepflegt.
Kaum hat der Regen aufgehört, wischt Monschi die Bahnen wieder trocken. Schlechtes Wetter ist für sie kein Grund, den Betrieb sofort einzustellen. „Da muss es schon wirklich ordentlich zur Sache gehen“, schmunzelt ihr Sohn. Wenn es doch einmal zu stark regnet, warten die Gäste unter der Markise oder in der Hütte. Von Mai bis Oktober kennt die rüstige 82-Jährige kaum freie Tage.
In vier Jahrzehnten hat sie unzählige Anfänger eingewiesen und ihnen die Tricks, aber auch die Tücken jeder einzelnen Bahn erklärt. Noch heute nimmt sie selbst den Schläger in die Hand. Wenn Gäste unachtsam über die Bahnen laufen oder mit den Schlägern herumfuchteln, kann Monschi nicht ruhig bleiben. Zu gut erinnert sie sich an die eine oder andere blutige Nase oder ein blaues Auge.
Kinderlachen als schönstes Geschenk
Vor Kurzem zeigte sich erneut, wie sehr der Minigolfplatz zum gesellschaftlichen Leben der Stadt gehört. Die Kinderfreunde Rohrbach an der Gölsen besuchten im Rahmen ihres Ferienspiels den Minigolfplatz in Wilhelmsburg. Bürgermeister Peter Reitzner kam ebenfalls vorbei, begrüßte die jungen Gäste persönlich und gratulierte Monschi zu ihrem 40-jährigen Jubiläum.
Mit einer kleinen Jause im Gepäck ging es auf die 18 Bahnen. Am Ende gab es Urkunden und viele strahlende Kinderaugen. Für Monschi war das wohl das schönste Geschenk zu ihrem Jubiläum.
Denn in einer Zeit, in der vieles schnelllebig geworden ist, steht sie noch immer regelmäßig an ihrem Platz – mit einem Lächeln, einem guten Wort und vielleicht auch einem Stück Kuchen. Der Minigolfplatz im Stadtpark an der Traisen ist längst ein Stück Wilhelmsburg, und Monschi ist seine gute Seele.
„Wir sind einfach unglaublich stolz auf unsere Mama“, sagt Martin Posch. „Mit 82 Jahren noch so viel Freude, Energie und Herzlichkeit auszustrahlen – das muss man ihr erst einmal nachmachen.“
Und so wartet auch am nächsten Öffnungstag ab 13 Uhr wieder eine ganz besondere Gastgeberin auf ihre Gäste. Auf der einen Seite die 18 Bahnen, auf der anderen das Leben. Und Monschi? Sie hat beides längst meisterhaft gespielt.
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