Protest in Venezuela
Aus USA abgeschoben, bei Erdbeben gestorben
Beim verheerenden Doppel-Erdbeben vor zwei Monaten in Venezuela kamen mehrere Menschen ums Leben, die zuvor aus den USA abgeschoben worden waren. Angehörige werfen den Behörden vor, den Abgeschobenen verboten zu haben, das Gebäude zu verlassen. Protest formiert sich.
Am Montag demonstrierten mehrere Mütter in der Hauptstadt Caracas. Ihre Söhne waren beim Erdbeben Ende Juni uns Leben gekommen. Sie waren unter jenen 146 Migranten, die laut der Übergangsregierung aus den USA abgeschoben worden waren. Unter ihnen waren 19 Frauen und sieben Kinder. Nach ihrer Ankunft in Venezuela musste sie ihre Handys und andere Habseligkeiten abgeben. Sie waren in einem alten Gebäude im Bundesstaat La Guaira untergebracht, als das Doppel-Erdbeben die Küstenregion erschütterte.
„Wir verlangen eine Erklärung“
„Mein Sohn hatte weder in den USA noch in Venezuela eine Vorstrafe“, sagte Oswadelis Nuñez, deren Sohn mit 28 starb, bei der Kundgebung. Sie wirft den Behörden vor, den Migranten zum Zeitpunkt des Unglücks verboten zu haben, das von Geheimdienstagenten bewachte Gebäude zu verlassen.
Es habe auch keinen Evakuierungsplan gegeben. Nuñez und ihre Mitstreiterinnen fordern eine Entschuldigung von der Übergansregierung, eine moralische Entschädigung „und eine Erklärung, warum sie das getan haben, warum das unseren Kindern widerfahren ist“, so die Frau.
Fand toten Sohn nach fünf Tagen Suche
Zudem fordert Nuñez bessere Abschiebungsprotokolle. Denn nach wie vor ist unklar, ob die offizielle Zahl der Abgeschobenen zutrifft und wie viele von ihnen beim Erdbeben ums Leben kamen. Sie selbst habe ihren nach einer fünftägigen Suche in Krankenhäusern in La Guaira und Caracas in einer provisorischen Leichenhalle gefunden.
Rechtliche Schritte angekündigt
Die betroffenen Familien haben angekündigt, nationale und internationale Beschwerden einzureichen. „Die Regierung hat ihre Fürsorgepflicht verletzt. Sie muss zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Luz Maris Melendez, deren inhaftierter Sohn ebenfalls ums Leben kam.
Mehr als 6500 Tote gemeldet
Zwei Monate nach den Erdbeben ist die Zahl der Todesopfer auf über 6500 gestiegen. Es seien inzwischen 6509 Tote geborgen worden, teilte die venezolanische Übergangsregierung am Montag mit.
Unbekannte Zahl Vermisster
Im Abstand von nur 39 Sekunden hatten zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 hatten Venezuela am 24. Juni erschüttert. 190 Gebäude in La Guaira wurden zerstört, Tausende Menschen wurden obdachlos. Zur genauen Zahl der Vermissten hat die Regierung bisher keine Angaben gemacht. Nach Schätzungen von Experten könnte sie bei bis zu 10.000 liegen.

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