Die deutsche Bundeswehr rüstet auf – und sucht dafür Tausende junge Menschen, die Dienst an der Waffe machen wollen. Eine Doku-Serie soll sie davon überzeugen. Das selbst gesteckte Personalziel von 186.000 Soldaten hat man im ersten Halbjahr erreicht.
„Alle wollen Frieden, aber nichts dafür tun.“ Ahmad sitzt zwischen Stockbetten, schwarz-rot-goldene Streifen zieren die Schultern seines Pullovers. Hohe Kontraste, ein Filter mit einem blau-grauen Schleier über das Bild gelegt: In der Ästhetik einer Netflix-Doku hat die Deutsche Bundeswehr kürzlich eine Serie auf Youtube veröffentlicht. „Generation Wehrdienst“ begleitet die jungen Rekruten bei ihren ersten Schritten in der Luftwaffe. 580.000 Zuschauer hat die erste von acht Folgen.
2011 hat Deutschland den allgemeinen Grundwehrdienst ausgesetzt, doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine rüstet die Bundesrepublik auf. Seit 1. Jänner gilt das neue Wehrdienstgesetz. Bis 2035 will man ein 460.000 Personen starkes Heer (inklusive Reservisten) aufgebaut haben: Einerseits durch 378.000 Fragebögen, die im aktuellen Jahr schon an 18-Jährige geschickt wurden, andererseits durch Kampagnen wie diese.
Städte zugepflastert mit Plakaten
In den U-Bahn-Stationen der Hauptstadt und an Bushaltestellen im ganzen Land konnte man die Protagonisten der Serie nicht übersehen: Die große angelegte Werbekampagne der Agentur Castenow zeigt die Rekruten aufrecht in die Kamera blickend vor einem Hintergrund in Sonnenuntergangs-Farben. Das ist die „Generation Wehrdienst“: Pflichtbewusstsein statt Hedonismus, Zugehörigkeit statt Individualismus. Der 18-jährige Tim aus Bremen will wie sein Vater Soldat werden. David (17) aus der Nähe von München geht gerne ins „Gym“. Ein „schönes Gefühl“ sei es, dazuzugehören, Disziplin zu lernen, „auch für zu Hause“. „Ich wusste, ich will eine Uniform tragen.“ 50.000 junge Menschen demonstrierten wiederum im März gegen den neuen Wehrdienst.
Wie viel davon ist Abenteuer, wie viel Verklärung? Gemütlich ist das Soldatenleben nicht – das merken die Rekruten gleich in der ersten Folge. „Wenn‘s ernst wird, dann wird‘s laut, dann wird‘s ungemütlich, dann wird‘s kalt, dann stinkt es“, sagt ein Ausbildner. Tagwache, Bett machen, Stube fegen und wischen. Dass es im Ernstfall um Leben und Tod geht, ist erst bei der Schießausbildung in Folge sieben ein (Rand-)thema.
Bundeswehr wächst und Politik sieht sich bestätigt
Dennoch scheinen die Maßnahmen zu wirken. Am vergangenen Dienstag teilte das Verteidigungsministerium mit, dass man das Personalziel von 186.000 Soldaten erreicht habe – das sind mehr als in den vergangen 13 Jahren und 3700 mehr als vor einem Jahr. „Dieser Wehrdienst ist freiwillig, und er bleibt es, wenn alles so gut läuft, wie wir uns das versprechen“, hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Dezember im Bundestag zur Reform gesagt. Im Notfall kann per Losentscheid eine Pflicht für junge Männer kommen.
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