Fr, 17. August 2018

Anwalt klärt auf

27.10.2014 12:43

Razzia bei kinox.to: Was User zu befürchten haben

In Deutschland hat die Polizei bei einer Großrazzia gegen die mutmaßlichen Betreiber der Streaming-Seite kinox.to zwei Männer festgenommen, zwei weitere sind auf der Flucht. Neben kinox.to sollen die Verdächtigen mehrere One-Click-Hoster und Download-Börsen betrieben haben. Im Netz brodelt die Gerüchteküche, dass die Behörden Nutzer der Dienste ausforschen wollen und die Seiten noch online sind, um möglichst viele User auf frischer Tat zu ertappen. Ein Anwalt verrät nun auf seinem Blog, was Nutzer der illegalen Dienste wirklich zu befürchten haben.

Wenige Tage nach der Großrazzia gegen die mutmaßlichen Betreiber von kinox.to und den Download-Portalen MyGully und boerse.sx sowie den One-Click-Hostern Freakshare und Bitshare spekuliert die Internetgemeinde, welche Folgen Nutzern der Dienste drohen. Im Netz kursieren dazu verschiedenste Spekulationen. So schreibt etwa der IT-Blog "Tarnkappe", dass man vermute, die Websites seien nur deswegen noch online, weil die Behörden sie verwenden wollen, um Nutzer auszuforschen und sie auf frischer Tat bei Urheberrechtsverletzungen zu ertappen.

Anwalt sieht wenig Gefahr für kinox-Nutzer
Geht es nach dem deutschen Anwalt Christian Solmecke, müssen sich zumindest Nutzer des illegalen Streaming-Dienstes kinox.to keine allzu großen Sorgen machen. Auf dem Blog seiner Kanzlei verrät er: "Aus meiner Sicht haben die Nutzer von kinox.to schon keine Straftat begangen, da der reine Konsum von Streamingdiensten nicht rechtswidrig ist. Das gilt jedenfalls immer dann, wenn keine Kopie des Streams auf dem eigenen Rechner hergestellt wird."

Die Erfahrung zeige, dass die Ermittler – sie sollen nach einer Anzeige des Vereins gegen Urheberrechtsverletzungen (GVU) aktiv geworden sein – eher die Hintermänner ausforschen, statt gegen Nutzer vorzugehen. Unklar sei außerdem, welche Daten auf den Servern von kinox.to gespeichert worden seien und ob diese eine Identifikation der Nutzer überhaupt ermöglichen würden. Denn selbst wenn auf den kinox.to-Servern IP-Adressen gefunden würden, müssten diese auch bei den Internetprovidern gespeichert sein, um deren Kunden identifizieren zu können. Und das sei nur bei jenen Nutzern realistisch, welche Dienste wie kinox.to in den letzten Tagen genutzt hätten.

Nutzer der Download-Seiten eher gefährdet
Größer dürfte die Gefahr der Verfolgung da schon für die Nutzer jener Download-Dienste sein, die in einem Zusammenhang mit kinox.to stehen sollen. Bei Börsen wie mygully.com und boerse.sx handle es sich schließlich nicht um Streaming-Seiten, sondern um Portale, die ganz gezielt für den illegalen Tausch von Filmen, Musik, Büchern, Software und Computerspielen genutzt wurden. Sollte die Staatsanwaltschaft die Namen der Nutzer dieser Dienste herausbekommen, sei mit Abmahnungen zu rechnen, sagt Solmecke.

Nutzer dieser Dienste betrachtet auch der IT-Blog "Tarnkappe" als potenzielles Ziel der Ermittler. Dass viele der Seiten, die in Zusammenhang mit der kinox.to-Razzia erwähnt wurden, noch immer online sind, wertet man als Zeichen dafür, dass die Server möglicherweise von den Ermittlern übernommen wurden, um als "Honeypot" genutzt zu werden. Das bedeutet, die Server werden weiterbetrieben, um möglichst viele Nutzer auf frischer Tat bei Urheberrechtsverletzungen zu erwischen. Solmecke hält ein solches Vorgehen auf Basis seiner Erfahrung als Anwalt aber für unwahrscheinlich.

kinox.to trotz Großrazzia noch immer online
Gegen die mutmaßlichen Betreiber von kinox.to, mygully, boerse.sx, Freakshare und Bitshare fand vor wenigen Tagen eine Großrazzia der deutschen Polizei statt (siehe Infobox). Wie "Golem" berichtet, fanden Hausdurchsuchungen in sechs Wohn- und Geschäftsräumen in vier deutschen Bundesländern statt, um kinox.to stillzulegen. Zwei Verdächtige wurden verhaftet, nach zwei Flüchtigen wird per europäischem Haftbefehl gesucht. Der Stein des Anstoßes, die Streaming-Seite kinox.to, ist allerdings nach wie vor online.

Am Sonntag wurde auf der bei einigen österreichischen Providern gesperrten (siehe Infobox) Website eine Nachricht an die GVU veröffentlicht: "@GVU: Ihr macht euch lächerlicher als ihr seid. Aber vielen Dank erneut für die extreme (unbezahlbare) Werbung!" Wie lang kinox.to noch online sein wird, ist unklar. Die Vergangenheit lehrt jedoch, dass derlei Seiten meist sehr schnell von Nachfolgeangeboten ersetzt werden. Auch kinox.to war als Nachfolgeangebot der zuvor geschlossenen Website kino.to an den Start gegangen und hatte auf die Sperrung in Österreich binnen weniger Tage mit dem Umzug auf neue Domains reagiert.

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