Belastung steigt in NÖ

300 Tage im Jahr lassen Pollen Allergiker niesen

Niederösterreich
06.08.2026 06:00

Wenn einst im Frühling die ersten Blüten sprossen, begann im ganzen Land das große Niesen. Mittlerweile macht sich auch bei Pollen-Allergikern der Klimawandel leidvoll bemerkbar. In unseren Breiten sesshaft gewordene Pflanzen sorgen dafür, dass in Niederösterreich mittlerweile fast das ganze Jahr über Heuschnupfen-Saison ist.

Niesattacken, Juckreiz, tränende Augen – wenn die Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern fliegen, spielt bei Allergikern das Immunsystem verrückt. Die Folge: Heuschnupfen mit unterschiedlichen Symptomen. Gemeinsam ist ihnen eines: Sie sind unangenehm. Betroffen sind laut Fachleuten 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung.

Vier Messstationen
Regelmäßige Pollenmessungen werden in Niederösterreich seit 1984 durchgeführt. Vier fixe Messstationen in St. Pölten, Stockerau, Allentsteig und Lunz am See liefern Daten, die als Grundlage für Diagnostik, Behandlung und Forschung dienen. „Ergänzt werden sie durch punktuelle Messungen an ausgewählten Orten“, erklärt Gesundheitslandesrätin Eva Prischl.

Wichtig für Diagnose
Ohne  diese regionalen Messungen wären viele klimabedingte Veränderungen im Pollenflug sowie die Auswirkungen neuer Pflanzenarten wohl weitgehend unentdeckt geblieben. Doch sind diese Erkenntnisse wichtig: „Je genauer bekannt ist, welche Pollen wann und wo in welcher Konzentration auftreten, desto besser können sich Menschen mit Allergien schützen“, betont Prischl. Und gleichzeitig erhalten Ärzte eine fundierte Grundlage für Diagnose und Behandlung.

Dr. Markus Berger, Landesrätin Eva Prischl und Dr. Regina Klenk (v. li.) bei einer ...
Dr. Markus Berger, Landesrätin Eva Prischl und Dr. Regina Klenk (v. li.) bei einer Pollehmessstelle(Bild: Dr. Anton Heinzl)

Klimawandel spürbar
Die Auswirkungen des Klimawandels sind für Allergiker mittlerweile dramatisch. Das zeigt das Beispiel des Einjährigen Beifußes. Während der heimische Beifuß seinen Belastungshöhepunkt Mitte August erreicht, sorgt die aus Asien stammende Beifußart einen Monat später für eine zweite Pollenflug-Phase. „Messdaten belegen, dass die Pollensaison in Niederösterreich bereits im Dezember beginnt und sich bis weit in den Herbst erstreckt“, sagen Fachleute wie Dr. Markus Berger vom Polleninformationsdienst (ÖPID). 

Allergikerfreundliche Grünräume
Der Mediziner leitet den ÖPID mit Sitz in Stockerau. „Eine moderne Pollenprognose basiert heute längst nicht mehr nur auf Pollenzählungen“, erklärt Berger: „Wetterdaten, die Schadstoffbelastung der Luft und Symptomdaten von Betroffenen fließen in die Vorhersagen mit ein.“ Und Niederösterreich nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. „Es ist das erste Bundesland, wo diese Symptomdaten KI-gestützt ausgewertet werden“, erläutert der Experte. Das ist wichtig für die Forschung. So untersucht der ÖPID derzeit mit internationalen Partnern, wie Städte und Gemeinden ihre Grünräume allergikerfreundlich gestalten können.

Aktuelle Polleninformationen finden Sie HIER.

Erkrankungen verhindern
Die Bedeutung der kontinuierlichen Pollenüberwachung unterstreicht auch Niederösterreichs Sanitätsdirektorin Dr. Regina Klenk: „Pollenallergien sind eine der häufigsten chronischen Erkrankungen und eine zunehmende Herausforderung.“  Verlässliche Daten über bevorstehende Belastungen seien für die medizinische Abklärung wichtig: „Mit gezielter Prävention und rechtzeitiger Behandlung können Beschwerden deutlich reduziert und Folgeerkrankungen wie Asthma häufig verhindert werden“, so Klenk.

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